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Times Mager

Krisenidentität

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses, mit historischen Fassaden und Kuppel, steht wieder einmal zur Disposition. Aber noch ist niemand in Sicht, der in der Krise auch Chancen sieht. Von Harry Nutt

Die Berliner wollen nicht so recht, und einigen Koalitionspolitikern scheint die Angelegenheit kaum mehr vermittelbar. Angesichts des Milliardenlochs im Haushalt, so ihr Gedankenspiel, ist ein milliardenschwerer Schlossneubau eine allzu große Hypothek. Kann man es, wenn schon nicht wegsparen, dann wenigstens aufschieben?

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses, mit historischen Fassaden und Kuppel, steht wieder einmal zur Disposition, auch wenn Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) rasch dementierte. Er sehe keine Anzeichen dafür, dass vom Bundestagsbeschluss abgewichen werde. Selbst Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), bislang ein wandelndes Anzeichen für Aufschub und Abspecken, gelobte Standhaftigkeit. Er stehe zum Beschluss und wolle gar für Spenden werben. Entschlossene Haltung aber sieht anders aus. Und so schien dem Berliner Schloss ein zugiger Wind aus dem brandenburgischen Meseberg entgegen zu wehen, dessen hübsches Barockschloss für Fontane kurz das Zauberschloss war.

Der Finanzkrise wohnt jedoch kein Zauber inne, und so deuten die meisten Signale, die an diesem Sonntag und Montag von der ins Kanzleramt verlegten Haushaltsklausur ausgehen werden, auf Halt oder allenfalls verlangsamte Weiterfahrt. Schon möglich, dass das Schlossprojekt auch diesmal wieder drumherumkommt, kurzerhand abgeblasen zu werden. Es wäre wohl ein symbolpolitischer Gau, den in der Krise niemand auslösen möchte. Klar aber ist, dass vom Gründungs- und Bekenntniseifer, der schließlich zum Bundestagsbeschluss für einen Wiederaufbau führte, kaum mehr etwas übrig geblieben ist. Das Bedürfnis nach politischer Identitätsbildung, die staatliche Zukunft und historische Vergangenheit im Hohenzollernschloss kulminieren sah, ist einer verzagten Krisenidentität gewichen, deren Kernsatz lautet: alles kann, alles soll auf den Prüfstand.

Noch jedenfalls ist niemand in Sicht, der in der Krise auch Chancen sieht und weiterhin auf schöpferische Zerstörung im Sinne Schumpeters setzt. Das Berliner Schloss war eins für gutes Wetter. Die Probleme bereiten in Schlössern immer die Heizkosten.

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