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Krieg 40

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Von: Thomas Stillbauer

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Menschen in den USA demonstrieren für Menschenrechte in China.
Menschen in den USA demonstrieren für Menschenrechte in China. © AFP

In der Ukraine kämpfen Menschen für universelle Werte. Auch in China gehen Bürger;innen dafür auf die Straße.

Vierzig Wochen Krieg, und das riesengroße Land hatte längst begonnen, das kleinere Land nun ganz kaputtzumachen. Das Erobern wich dem gemeinen Zerstören der Lebensgrundlagen. Wasser, Strom, Wärme, Nahrungsmittel, nichts davon war noch leicht zu besorgen dort, wo seit vierzig Wochen Bomben fielen.

Das riesengroße Land? Wer genau war es eigentlich, der dem kleinen Land alles kaputtmachen wollte? Das Land war es doch wohl nicht. Waren es die Menschen in dem riesengroßen Land, die beispielsweise die Energieversorgung kappen wollten, so dass die Menschen in dem kleineren Land nicht mehr im Krankenhaus behandelt werden konnten? Die Leute, die von Bombensplittern getroffen worden waren? Die Leute, die niemandem etwas getan hatten und nun im Krankenhaus lagen und hoffen mussten, dass es wenigstens Strom geben würde, um sie zu operieren?

Die Menschen waren es doch wohl auch nicht. Aber wer war es, der diesen Krieg wollte? Wem war es nützlich, wenn es den anderen entsetzlich schlecht ging? Das fragte man sich in dem riesengroßen Land, jedenfalls an jenen Orten, an denen man noch etwas zu fragen wagte.

Vierzig Wochen Krieg, und es war eine Zeit, in der sich die Dinge auf der Welt spürbar rückwärts entwickelten. Die Lebensgrundlagen. Vor Jahren hatte sich noch angedeutet, dass es besser werden könnte. Dass die Menschen irgendwann überall frei sein dürften, dass sie Fragen stellen könnten, nicht nur an sich selbst, dass sie laut fragen können dürften und dass sie sogar Antworten erwarten können dürften. Dass Selbstbestimmung überall absehbar keine Angelegenheit mehr von Hilfsverben und Konjunktiven wäre.

Dass fast 200 Jahre nach dem Wort vom Frieden, der den Hütten gebühre, auch anderswo gelte: Das Gesetz sei nicht mehr nur Eigentum der Vornehmen. Dass nicht mehr per Steckbrief gesucht werden würde, wer auf Gleichheit bestand. Dies alles ging nun doch nicht mehr recht vorwärts. Es lief vielmehr fatal in die falsche Richtung.

In einem anderen sehr großen Land, einem Reich der Mitte, gingen jetzt wieder viele Menschen auf die Straße, um für diese Werte zu demonstrieren. Werte, die nicht erst im „Hessischen Landboten“ vor bald 200 Jahren aufgetaucht waren; Werte, die seit Anbeginn der Zeit die Grundlage der Menschlichkeit waren.

Warum manche frei waren und andere nicht. Warum es Kriege gab. Und wem das nützte. Das fragten mutige Menschen an vielen Orten, doch die Antworten, auf die sie hofften, sie kamen nicht. Was kam, waren Kanonen. Vierzig Wochen Krieg, und statt der Aufklärung gewann an Boden wieder die Gewalt.

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