1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Krieg 23

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Wenn sie dann geöffnet und leer sind ....
Wenn sie dann geöffnet und leer sind .... © Imago

Von Coladosenabziehlaschen, Artischockenbödendosen und Dosenöffnern.

Seit Jahren keine Dose mehr mit einem Dosenöffner geöffnet. Seit Jahren. Dabei wurden durchaus Dosen geöffnet. Und ob. Dosentomatendosen wurden geöffnet. Reichlich. Die eine oder andere Thunfischdose. Nicht erst, seit man Thunfisch wieder mit h schreiben darf.

Eine Artischockenbödendose. Auch. Bohnen. Mais. Aber vor allem Dosentomatendosen. All diese Dosen haben inzwischen Abziehdeckel mit Abziehlasche, sodass der Dosenöffner ungenutzt in der Küchenschublade herumliegt und sich langweilt. Abziehlasche, wie die Coladose. Einst hatte die Coladose eine Abziehlasche, die sich vom Dosenverschluss entfernen und durch die Gegend schießen ließ. Das führte zu Coladosenabziehlaschenumweltverschmutzung. Heute sind Coladosenabziehlaschen nur noch mit Gewalt von der Dose zu trennen. Heißt es. Dieser Haushalt verwendet keine Coladosen.

Es ist übrigens nicht so, als besäße dieser Haushalt einen Nullachtfuffzehndosenöffner. Dieser Haushalt verfügt über einen Premiumdosenöffner. Das Utensil machte, wie lang wird das her sein, in einem Warenhaus auf sich aufmerksam und versprach, es öffne Dosen mit Leichtigkeit im Handumdrehen, was auf sein altmodisches Vorgängermodell nur teilweise zutraf. Im Handumdrehen ja, mit Leichtigkeit nein. Der neue Dosenöffner hingegen: Wunder der Technik. Bis heute rätselhaft, wie er das machte, ohne Strom, aber das ging wirklich wie geschmiert in einem ganz neuen Anstellwinkel. Als er sich noch gebraucht fühlte.

Als die Konservendose erfunden wurde, öffnete man sie mit Hammer und Meißel oder grobem Schneidgerät, was im Einzelfall durchaus zu Verletzungen führte. Wie oft fand man sich im Wald oder auf dem Feld wieder, in der Prärie, Dose Bohnen dabei, Kaffeekanne aus Emaille, kein Dosenöffner. Im Normalfall zog man seinen Colt und schoss die Dose auf. Oder man war gerade nicht John Wayne und stach mit einem Zelthering auf die Dose ein, bis etwas blutete, und zwar nicht die Dose. Ein Konservenglas wäre praktischer und auch umweltfreundlicher gewesen, aber fall mal in Dodge City vom Pferd, dann bist du froh, wenn es eine Dose ist und kein Glas.

23 Wochen Krieg und vielleicht hast du auch etwas, das du seit Jahrzehnten nicht mehr gebraucht hast, lieber nie mehr gebrauchen willst, aber dein Bruder im übernächsten Haus braucht es gerade ganz dringend. Eventuell wäre es gut, du würdest es ihm so schnell wie möglich geben. Allerdings hast du es den entfernten Verwandten auch nicht gegeben, als sie es gebraucht hätten, und du hast Grundsätze. Schwierig. Das Beste wird sein, man verhandelt erst mal mit der Konservendose.

Auch interessant

Kommentare