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Das Büro wird erst verlassen, wenn die Kreativität gekommen ist.
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Das Büro wird erst verlassen, wenn die Kreativität gekommen ist.

Times mager

Kreativ

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Kreativität ist ein scheues Reh - wie bekommt man sie also zu fassen? Der Tipps sind viele.

Kreativität, woher soll man sie nehmen, wie sie steuern, damit sie, äh, funktioniert? Die eine verlässt das Arbeitszimmer erst, wenn da was ist, und dauert es auch die ganze Nacht. Der andere schaut „In aller Freundschaft“, um sich zu entspannen und in Ruhe nachdenken zu können. Der Dritte schreibt alle Wörter mit dem Anfangsbuchstaben G auf, die ihm einfallen. „Stadt-Land-Fluss extrem“, nennt er das. Aber doch viel leichter, sagt der, der „In aller Freundschaft“ guckt und als Sachse logisch denkt und ferner das Wort Kreativität mit passend weichem Anlaut sprechen kann, ohne dass es direkt falsch klingt. Die eine sagt, im Barock seien Melodielinien notfalls ausgewürfelt worden, der Markt sei unersättlich gewesen. Der Sachse liest Asterix-Heftchen, um sich zu entspannen und in Ruhe nachzudenken, wenn die Methode mit „In aller Freundschaft“ nicht funktioniert. Der Dritte fragt rachsüchtig, welche Methode?, und beruft sich auf Oulipo. Wow, Oulipo, drunter machst du’s nicht, sagt der Sachse.

Mit am Tisch die Ehefrau eines echt Kreativen, kurzum: die Ehefrau eines Künstlers. Die Ehefrau des Künstlers hat einen sehr interessanten Beruf, aber dafür haben die Kreativen jetzt kein Sensorium. Stattdessen kommt die Frage auf, ob sie ihrem Ehemann bei der entstehenden Arbeit über die Schulter sehen dürfe. Darf sie, soll sie. Er sagt: Man will es nicht, aber man will es doch. Sie sagt: Fingerspitzengefühl ist vonnöten, Kreativität ist ein scheues Reh.

Er sagt: Man will das Lob, aber man muss es auch glauben können. Sie sagt: Schwung ist gefragt, aber es darf nicht zu viel Schwung sein. Wenn es nicht gut ist, muss etwas Ermutigendes her, aber es darf keine Lüge sein, nicht nur, weil er es merken, sondern auch, weil es nichts helfen würde. Er sagt: Ohne sie wäre ich doch erledigt, so sieht es aus.

Die anderen starren eine Weile vor sich hin, beeindruckt, neidisch. Dabei haben sie selbstverständlich auch hierzu eine Meinung. Die eine sagt, dass sie es nicht aushalten könne, wenn jemand sehe, woran sie arbeite, während es noch nicht fertig sei. Der Sachse sagt, während sein Freund sich die Sachen anschaue, spiele er „Ubi’s Dimensions“ am Handy, was zum Teil sauschwer sei. Der Dritte spielt ebenfalls „Ubi’s Dimensions“, aber „nur gelegentlich“.

Das gibt dem Abend eine andere Wendung, die letztlich dahin führt, dass alle versuchen, die Kräuter für eine Frankfurter Grüne Soße zu ermitteln. Über die Knoblauchfrage gibt es das übliche Gezanke. Der Künstler und die Frau mit dem interessanten Beruf, beide nicht von hier und in der Sache gleichmütig, lächeln freundlich. Er macht sich eine Notiz auf die Papierserviette und steckt sie in die Jacketttasche.

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