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Das dichte Rückenhaar liegt nur noch bei Gorillas im Trend.

Times mager

Krausigkeit

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Haupthaar, Rückenhaar, sonderbar - jetzt zählen unsere Bürsten sogar schon die Striche.

Diesmal: Haarpflege im Wandel. Der Umgang mit Hornfäden, die uns aus dem Körper dringen, bei manchen mehr, bei anderen weniger, dafür an mehr Stellen, ist seit jeher sensibel. Bald noch sensibler, dank Hair Coach. Details folgen. Bleiben Sie dran.

Gebrach es uns einst an smarten Instrumenten, um dem Haarnachschub Form und Maß zu gebieten (Steinzeit), war das kein Drama. Es fehlte ja zugleich an wärmender Damen- und Herrengarderobe; man hieß jedes Haar willkommen, gerade im Winter. Die Frisur spielte bei der Partnerwahl eine Nebenrolle.

Das sollte sich ändern. Ägypterinnen hantierten, wie man hört, schon vor 6000 Jahren gekonnt mit Kämmen. In Altgriechenland patrouillierte die Frisurenpolizei und verteilte Strafzettel an Frauen, die mit wuscheligem Kopf promenierten. Ebenso soll dort „Körperbehaarung sowohl bei Männern als auch bei Frauen unbeliebt“ gewesen sein, steht heute im Internet und stand damals vermutlich in Illustrierten, die beim Frisör auslagen.

Das Thema (Körperhaar) blieb stets umkämpft. Während dichter Teppich auf Herrenrücken nur noch bei Gorillas wirklich trendet, lassen sich viele Damen inzwischen ihr Recht auf Natur unterm Arm nicht mehr ausreden. Eine Pionierin war die Sängerin Nena (80er Jahre). Sie blieb sogar widerborstig, als sie mit Kim Wilde (England) im Duett sang. Noch Dezennien später kicherte die Britin im FR-Interview über Nenas „German Achselhaar“. Der gemeinsame Song „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ soll aber nicht Art, Ort und Zeit einer geplanten Rasur behandelt haben.

Zurück zum Haupthaar. Soeben machte eine Firma, die auch Überwachungssysteme herstellt, auf ihre neuste Entwicklung aufmerksam, die smarte Haarbürste. Produkteinführung: Mitte 2017. Sie erlaubt das Bürsten der Haare („hohe Anzahl von professionellen Borsten“) und hat darüber hinaus ein eingebautes Mikrofon, das „die Klangwellen des Haars“ einfängt, um Trockenheit, Spliss und „Frizziness“ (etwa: Grad der Krausigkeit) zu entlarven.

Das angenehm schläfrig machende Erklärungsvideo führt ein gewisses Gyroscope in den Sprachgebrauch ein, das irgendwie, irgendwo wieder an die Griechen erinnert, aber den Bürstvorgang analysiert. Der ebenfalls eingebaute Accelerator zählt die Bürstenstriche und schafft so die Basis für ein „haptisches Feedback“. Anhand von Vibrationen leitet der Griff des Hair Coachs den Nutzer technisch an: „Verstehen und verbessern Sie das Haarebürsten.“ Wenn ich fertig bin, kann ich mein Bürstergebnis auf dem Smartphone bestaunen. Und mit Freunden teilen, garantiert.

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