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Sylvia Staude ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Sylvia Staude ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Kopf & Fuß

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Was beschäftigte die Deutschen 2009? Der Bestseller-Liste zufolge weniger die Finanzkrise oder der Afghanistaneinsatz. Offenbar beschäftigten sie sich lieber mit der Frage "Warum bleibt die Summe der Haare am männlichen Körper immer gleich?" Von Sylvia Staude

Was beschäftigte die Deutschen im vergangenen Jahr? Die Finanzkrise? Die Steuersenkungsdebatte? Der Afghanistaneinsatz? Das vielleicht auch. Aber wenn man nach den Sachbüchern geht, die sie gekauft haben, dann ist es viel eher die Frage: Warum bleibt die Summe der Haare am männlichen Körper immer gleich? (Eckhart von Hirschhausen, Platz 1). Oder warum haben Frauen kalte Füße (Ranga Yogehswar, Platz 3)? Oder wie kann jeder lernen, die Gedanken seiner Mitmenschen zu lesen, indem er genau beobachtet (Thorsten Havener, Platz 9)? So wissbegierig, bildungshungrig, selbstkritisch ist diese Republik, dass sie Bücher kauft, in deren Titel sie als "verblödet" bezeichnet wird (Thomas Wieczorek, Platz 4) oder als "Generation Doof" (Stefan Bonner, Anne Weiss, Platz 6). Brav ließ sich der deutsche Sachbuch-Käufer 2009 zum Selberdenken auffordern (Vince Ebert, Platz 5) und auch gleich noch ein Buch vom mächtigsten Mann der Welt einpacken (Barack Obama, Platz 7). Immerhin gibt es Menschen, die von Freiheit wenigstens noch träumen: "Ich bin dann mal weg" (Hape Kerkeling, Platz 2). Vermutlich liegt dieser Band auf ihrem Nachtkästchen, während sie vor ihrem Laptop eingenickt sind.

Andere Nationen setzen, guckt man in die Bestseller-Liste, deutlich andere Schwerpunkte - im wahrsten Sinn des Worts. Auf Platz 1 und 3 stehen in den USA zwei Führer zu den besten billigen Lokalen, inklusive Drive-Ins, damit man Kalorien spart, weil man gar nicht erst aus dem Auto aussteigen muss. Auf Platz 4 und 9 geht es ums Kochen (bei uns sitzen Möchtegern-Köche wohl inzwischen alle vorm Fernseher), auf Platz 2 und 8 ums Filmgucken beziehungsweise den neuen Teenager-Hype nicht nur in den USA: Vampire. Letzteres führt uns zum zweitwichtigsten Thema des amerikanischen Sachbuchmarkts: Wie mache ich mich einem ganz normalen Mann verständlich, so dass ich mich nicht 14 Tage nach der Hochzeit schon wieder scheiden lassen muss?

In Beziehungsfragen scheinen die Deutschen nachlässig geworden zu sein. Sie denken offenbar neuerdings, es genügt, der Liebsten die Füße zu wärmen oder dem Liebsten die Haare zu zählen.

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