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Jim Carrey und Ginger Gonzaga überzeugen in "Kidding", gehen aber leer aus bei den Golden Globes.

Golden Globes

Kontroverses wird konsequent vermieden

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Es gewinnt bei den Golden Globes des Jahres 2019 der weniger originelle Film, man einigt sich auf den kleineren Nenner.

Zwischen den Welten von Kino und Bildschirm tobt ein Krieg, wie seit dem Siegeszug des Fernsehens Anfang der fünfziger Jahre nicht mehr. Da wartete man gespannt auf die Golden Globes, den einzigen der populären Preise, der Film und Fernsehen in jeweils eigenen Kategorien nominiert. Die aber kehrten den Konflikt geschickt unter den roten Teppich. Die Netflix-Produktion „Roma“, Gewinnerin des Goldenen Löwen von Venedig, war bei den Nominierungen dem Bereich Kino zugeschlagen worden, obgleich ihn das Streaming-Portal nur sehr halbherzig in die Filmtheater gebracht hatte.

Allerdings konkurrierte Alfonso Cuaróns Werk nicht für den besten Film, sondern „nur“ für den fremdsprachigen Film, für Regie und Drehbuch. Erwartungsgemäß gewann er in den ersten beiden Kategorien, während zum „besten Filmdrama“ ein künstlerisch bedeutungsloses Biopic gekürt wurde – Bryan Singers Queen-Film „Bohemian Rhapsody“. Auch Rami Maleks unvollkommene Verwandlung in Freddie Mercury wurde preisgekrönt. Es schien, als habe man den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Medien gesucht.

Eine der innovativsten Fernsehserien, „Kidding“ mit Jim Carrey als traurigem Clown des Kinderfernsehens, ging leer aus, dafür gewann in derselben Kategorie die konventionellere Mediensatire „The Kominsky Method“ mit Leinwandveteran Michael Douglas. Kontroverses wurde auch dann gemieden, wenn es erfolgreich war wie Spike Lees Kinofilm „BlacKkKlansman“, die Anti-Rassismus-Komödie, hier freilich als „Drama“ kategorisiert und vierfach glücklos nominiert.

Dafür gewann das achtbare, aber weniger originelle Zeitstück „Green Book“ über einen afroamerikanischen Pianisten auf Tournee durch die vom Rassismus geprägten Südstaaten gleich drei Mal. Man kann dem Regisseur Peter Farrelly seine Hautfarbe nicht vorwerfen – und hat gleichwohl den Eindruck, dass im Zweifelsfall Filme von weißen Regisseuren dann doch besser ankommen. Zumal Farrelly zugleich Erfolgsmuster von „Ziemlich beste Freunde“ auf den Stoff projizierte.

In ihrer Moderation machte die koreanisch-stämmige Schauspielerin Sandra Oh das „Whitewashing“ zum Thema, indem sie die anwesende Emma Stone für ihre Rolle einer asiatischstämmigen Frau in „Aloah“ auf den Arm nahm, die sich prompt entschuldigte. Doch was passiert, wenn die weiße Dominanz im Genre-Kino so grandios gebrochen wird wie mit Steve McQueens grandiosem multi-ethnisch besetzten Thriller „Widows – Tödliche Witwen“? Der war nicht mal nominiert. Wenn die „Globes“ wirklich Vorboten für die Oscars sein wollen, stehen uns langweilige Zeiten bevor.

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