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Die Realität der Germania aus der Froschperspektive.
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Die Realität der Germania aus der Froschperspektive.

Times mager

Der Kontext

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Im Rheintal tut sich der Assoziationsraum Romantik von Kilometer zu Kilometer immer weiter auf: Was dabei zum Fenster hinaus zu sehen ist, lässt sich richtig prima kontextualisieren.

Bei Fahrten wie diesen, sagt der Reisende, und hält inne. Was mag er damit meinen? Er muss den Satz keinesfalls dahingehend ergänzen, dass er von einer Mittelrheinfahrt spricht, weil doch ein Blick genügt, aus dem Großraumwagen, zum Fenster des IC 2022 hinaus, in dem sich die beiden Reisenden gegenübersitzen, vollkommen fremd, als sie ihre Reservierung in Mainz wahrnahmen, um schon während der Ausfahrt aus dem Hauptbahnhof ins Gespräch zu kommen. Das riss dann seitdem nicht mehr ab. Danach regelrecht ein Austauschen, so dass jetzt, während der eine Reisende von „Fahrten wie diesen“ spricht, für den Mitreisenden klar ist, wovon der Gegenübersitzende, hier, im Mittelrheintal, im Bannkreis der Loreley, spricht. Eine Kommunikationssituation, ein klarer Kommunikationszusammenhang.

Rheinkilometer 552, 553, 554: Die Gedanken reihen sich auf wie am Schnürchen. Im Rheintal tut sich der Assoziationsraum Romantik von Kilometer zu Kilometer immer weiter auf (so könnte man es sagen). Was dabei zum Fenster hinaus zu sehen ist, lässt sich richtig prima kontextualisieren.

Der unbedarfte Reisende

Er frage sich, sagt der eine Reisende, ob es anderen Reisenden auch so gehe. Er wolle diese Zeitgenossen mal die unbedarften Mittelrheinreisenden nennen, und damit wolle er sagen, dass er sich frage, ob solche Reisende ein ähnliches Verhältnis hätten, hier, zu dieser Weltgegend und ihrer Geschichte, ein unsentimentales Verhältnis, so wie er eines habe, nein, kein neutrales oder gar gleichgültiges Verhältnis, sondern ein bewusst distanziertes, und dazu eigne sich besonders eine Eisenbahnfahrt. Auch wenn man sich dabei die Loreley aus der Untersicht anschauen müsse, die Realität des Felsens aus der Froschperspektive.

Für den Umgang mit der Legende müsse das nicht gelten, denn was diese Perspektive angehe, was erotisches Beschwärmen einer undurchsichtigen Undine und patriotisches Anhimmeln einer zweiten Germania betreffe, müsse man kein Bahnreisender sein. Für einen solchen fragwürdigen Kontext sei alles bereits vorgegeben, der müsse sich gar nicht erst erklären.

Bei Fahrten wie solchen Fahrten, sagt der Reisende, müsse kein Mittelrheinreisender eigentlich aus dem Fenster schauen. Was das angehe, und erneut wiederholt er das Wort, fahre dieser Kontext, auch wenn er ein ziemlicher Kladderadatsch sei, geradewegs mit, ob unausgesprochen oder lauthals.

Das, und dazu lächelt der Gegenübersitzende listig, sei eine besonders aufschlussreiche Geschichte gewesen.

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