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Irgendetwas soll in Dresden nach Helmut Kohl benannt werden - nur was?

Times mager

Kommt in Dresden der Kohl-Flughafen?

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Auch Dresden will den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl ehren. Ein paar Vorschläge.

Nichts ist schwieriger als eine gelungene Ehrung. In Dresden weiß man das genau, nun wo Helmut Kohl tot ist und auch in Sachsen geehrt werden soll. Aber wie? Man muss wissen: Am 19. Dezember 1989 hielt der Kanzler vor der Ruine der Frauenkirche auf dem Neumarkt seine berühmte Rede vor Tausenden Dresdnern von der Gunst der Stunde und der möglichen Einheit des Vaterlandes. Jubel, „Helmut, Helmut“-Rufe, die Bilder gingen um die Welt.

Wie ehren, wie erinnern? Eine Ehrenbürgerschaft? Geht in Dresden nicht, weil Kohl dafür noch leben müsste. Den Neumarkt, wo alles stattfand, umbenennen? In Kohlmarkt? Will auch gerade keiner. Klingt ja auch ein bisschen nach Weimar und seinem Zwiebelmarkt. Ein innovativer Vorschlag kam jetzt von Oberbürgermeister Dirk Hilbert: den Flughafen umbenennen, vielleicht würden dann ja mehr Airlines Dresden ansteuern.

Der Dresdner Flughafen heißt tatsächlich nur Flughafen, liegt an der Flughafenstraße, wird aber dennoch nicht allzu häufig angeflogen. Er ist ein eher beschaulicher und ruhiger Ort, aber historisch äußerst interessant, weil sein Rollfeld nicht nur ein Rollfeld ist, sondern 1989 auch ein wichtiger Ort der Erkenntnis war. Natürlich Kohls Erkenntnis. Als er nämlich am 19. Dezember dort landete, als sein Flieger ausgerollt war, als Tausende ihn erwarteten, als er die Rolltreppe hinunterstapfte und dabei ins versteinerte Gesicht von DDR-Ministerpräsident Hans Modrow blickte, da drehte sich Kohl zu seinem Kanzleramtsminister Rudolf Seiters um und brummelte: „Rudi, die Sache ist gelaufen.“ Bislang kam der Dresdner Flughafen ganz gut ohne Namen und ohne übermäßig viele Fluggäste aus. Sollte er jemals getauft werden, sollte es die Gunst der Stunde irgendwann einmal tatsächlich zulassen, er sollte „Rudi, die Sache ist gelaufen“-Airport heißen.

Ansonsten hat Dresden noch einen namenlosen Fernsehturm. Er wurde 1969 fertig, ist 252 Meter hoch und hatte damals die Aufgabe, das „Tal der Ahnungslosen“ mit DDR-Fernsehen zu fluten. Außerdem hatte der Turm ein Restaurant. Bei starkem Wind schwankte er bis zu 1,60 Meter hin und her, was dazu führte, dass in der Küche die Waagen ungenau gingen und der Koch Abweichungen bis zu 30 Gramm durch Erfahrung ausglich.

Heute hat der Turm weder einen Namen noch ein Restaurant, geschweige denn einen 30 Gramm ausgleichenden Koch. Es gibt aber alte Dresdner, die gerne wieder in 145 Meter Höhe Eierschecke essen würden. Eine Renovierung kostet zwar 16 bis 61 Millionen Euro und OB Hilbert denkt nicht daran, den Quatsch zu bezahlen, weil der Turm nicht einmal der Stadt gehört. Aber bis dahin, bis die Gunst der Stunde Restaurantbetrieb wieder erlaubt, könnte man ihn doch den „Großen Helmut“ nennen. Der Turm macht was her, außerdem kostet die Sache nichts und allen wäre geholfen.

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