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„Schuld am Brexit-Schlamassel sind meine Großeltern, Boris Johnson und Nigel Farage“ - ein Komma hätte geholfen, einem verstörenden Missverständnis vorzubeugen.

Times mager

Komma

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Das Stinkkonservative, es will in England so gerne Schwung nehmen, aber das ist heute nicht mehr so einfach. Ein Satzzeichen kann hierbei Symbolkraft entwickeln.

Wer im Glashaus sitzt, soll sich zwar auf keinen Fall über die Interpunktionsprobleme anderer Leute lustig machen. Aber das Gezacker über das möglicherweise fehlende Komma auf der englischen Jubel-50-Pence-Münze zum EU-Austritt ist zu schön, um nicht bei jeder Gelegenheit noch einmal erwähnt zu werden. Auch geht es hier nicht um die Interpunktionsprobleme anderer Leute, sondern anderer Nationen.

"Peace, prosperity and friendship with all nations" steht auf der Brexit-Gedenkmünze.

Zur Erinnerung: Auf der englischen Jubel-50-Pence-Münze zum EU-Austritt steht (auf Englisch): „Frieden, Wohlstand und Freundschaft mit allen Nationen“, darunter das Datum 31. Januar 2020. Vorherige Prägungen mit dem 27. März bzw. dem 31. Oktober mussten gestoppt bzw. eingeschmolzen werden, aber die Interpunktion des Textes wurde bei diesen Gelegenheiten offenbar nicht diskutiert. Jene Engländer also, die der Ansicht sind, dass vor dem „und“ (oder „oder“) bei Aufzählungen ein Komma gesetzt werden muss, waren nun empört. Das sorgte für den Spott jener anderen Engländer, die ein Komma vor dem „und“ sowie Diskussionen über Kommasetzung im Allgemeinen für stinkkonservativ halten. Das Stinkkonservative, es will in England so gerne Schwung nehmen, aber das ist heute nicht mehr so einfach. Ein Komma kann hierbei Symbolkraft entwickeln. Wäre es doch da, das Komma, denken die, die nun „Frieden, Wohlstand, und Freundschaft mit allen Nationen“ erwarten.

„Schuld am Brexit-Schlamassel sind meine Großeltern, Boris Johnson und Nigel Farage“, scherzt hingegen der „Guardian“, der normalerweise auch bei diesem Thema einen vernünftigen Kurs fährt und das zur Rede stehende „Oxford-Komma“ nach den hausinternen Regeln dann verwendet, wenn es hilft, Missverständnisse zu vermeiden. „Bei der Oscarverleihung bedankte sich Mel Gibson bei seinen Eltern, Mary, und Gott“, was hier aber bitte nicht als Plädoyer verstanden werden sollte, in Deutschland ein „Oxford-Komma“ einzusetzen. Die Engländer finden, sie seien in solchen Fragen aggressiv? Da lachen wir Deutschen uns aber kaputt. Außerdem sprechen wir Oxford-Englisch, das genügt.

In ihrem Buch über englische Zeichensetzung – ja, es gibt Bücher über englische Zeichensetzung – schrieb Lynne Truss schon 2003: „Es gibt Leute, die das Oxford-Komma begrüßen, und andere, die das nicht tun, und ich kann nur sagen: Kommen Sie nicht zwischen diese Leute, wenn es was zu trinken gab.“ Das Buch heißt „Eats, Shoots & Leaves“, ein Wortwitz über einen Panda, der (ohne Komma) Sprösslinge isst und dann wieder geht, mit Komma aber etwas isst, dann schießt und dann wieder geht. Was konnten wir früher lachen über und mit den Engländern.

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