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Natalie Soondrum arbeitet in der Redaktion der Frankfurter Rundschau.
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Natalie Soondrum arbeitet in der Redaktion der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Königsweg

Eine Feier des Lebens wollte die bombastische Trauer-Show für Micheal Jackson sein. Dabei war sein Leben bei genauerer Betrachtung eine Anleitung zum Sterben - und zur Befreiung. Von Natalie Soondrum

Wer gestern im Fernsehen Zeuge der öffentlichen Trauerfeier des King of Pop wurde, konnte bei aller Rührung nicht umhin, über die Inszenierung dieses Todes nachzudenken. Wurde nicht erst im Nachhinein alles aufgebauscht? Das eigentliche Ableben des Königs war im Grunde ein einfacher Herzstillstand. Keine große Sache.

Dagegen war die Show im Staples Center in L.A. bombastisch. Sie wollte auch eine Feier des Lebens sein und nicht des Todes, betonten die Redner des Abends immer wieder. Dazu passt auch die Aussage von Jacksons Tourveranstalter, Avram, der King of Pop habe sich selbst fast für unsterblich gehalten. Und doch war sein Leben, gerade in der Art wie er es inszenierte, für die Nachwelt eine würdige Anleitung zum Sterben.

Von Eugène Ionesco heißt es, er sei als Kind besessen gewesen von der Vorstellung, jede Erkrankung vermeiden und daher ewig leben zu können. An sie klammert sich zunächst auch Berenger, der Herrscher in Ionescos eher selten gespielten Stück "Der König stirbt", dass derzeit am Broadway in New York zu sehen ist mit Geoffrey Rush als König und Susan Sarandon als seiner Gemahlin. Anders als in dem bekannteren "Die Nashörner" füllt sich die Bühne nicht im Laufe der Handlung (mit Nashörnern), sondern leert sich Stück für Stück. Eine Figur nach der anderen verschwindet von der Bühne und mit ihr eine gesellschaftliche Konvention. So überwindet der König eine Begrenzung nach der anderen.

Genauer betrachtet hat Jackson das auch so gemacht. Geboren als Sohn eines schwarzen Stahlarbeiters in den USA überwand er als international bekannter Popstar die Grenzen von Klasse und ethnischer Zugehörigkeit. Dann ging er weiter, ließ als Individuum die Grenzen seiner Hautfarbe und gesellschaftlich die seiner Geschlechterzugehörigkeit als allein erziehender Vater dreier weißer Kinder hinter sich. Und er sprengte auch die Einengungen durch die Mainstream-Zeit, indem er sich auf seiner Ranch eine Insel der ewigen Kindheit schuf.

Am Broadway lässt Geoffrey Rush seinen König als allerletzte Grenze den eigenen Atem überwinden. Beim King of Pop muss es genauso gewesen sein.

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