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Zahlreiche Menschen nahmen an einer Demonstration der Initiative „Querdenken“ auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart teil. Die Demonstration richtete sich gegen die Pandemie-Einschränkungen der Bundesregierung - Abstandsregeln und das tragen von Masken wurde größtenteils missachtet.
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Zahlreiche Menschen nahmen an einer Demonstration der Initiative „Querdenken“ auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart teil. Die Demonstration richtete sich gegen die Pandemie-Einschränkungen der Bundesregierung - Abstandsregeln und das Tragen von Masken wurden größtenteils missachtet.

Times Mager

Ko-Inzidenz

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Die sogenannte Querdenken-Demonstration am Ostersamstag in Stuttgart ist ein Skandal.

In diesen Tagen, Wochen und Monaten damit nicht genug, dass wir es bei der Corona-Pandemie mit einer Seuche zu tun haben, die lebensgefährlich sein kann und die allein in Deutschland fast 80 000 Todesopfer gefordert hat, gab es dennoch jetzt, am Ostersamstag, rund 10 000 Menschen, denen die Opfer dermaßen gleichgültig sind, dass sie sich nicht an die Sicherheitsauflagen hielten. Im Schutz der Anonymität wurden Regeln nicht eingehalten, ohne die die Demonstration nicht bewilligt worden wäre, was aber für die „Querdenken“-Bewegung demonstrativ bedeutungslos war, so dass die Auflagen zu Makulatur wurden – auch wegen der Polizei, die all dem zusah: der Verhöhnung des Rechtsstaats, dem Hohn auf die Meinungsfreiheit, der Verhöhnung der Corona-Opfer.

Was da an Häme und Hetze geballt und aggressiv zusammenkam, ließ die Polizei gewähren. Und so erklärte denn ein Polizeisprecher im Fernsehen die Polizeitaktik mit einem bewussten Vorgehen, angesichts der Aggressivität und Dynamik, wie sie Aggressoren zu entfalten (loszutreten) wissen, mit absichtsvoller Zurückhaltung.

Wenn auch offensichtlich nicht mehr der Demokratie, so gehörten die Straßen von Stuttgart offenbar der Deeskalation. Angesichts der befürchteten Dynamik, die sich gegen die Demokratie noch direkter als nur verbal hätten richten können, bemächtigte sich ein untätiges Gewaltmonopol des Staates der Straße. Angesichts einer Dynamik, die diese Demokratie als Diktatur bezeichnet, was keine Meinung ist, sondern Diffamierung, zeigte sich die Polizei defensiv. Später allerdings sollte sich das, was sich die Exekutive als Besonnenheit selbst attestierte, als „Überforderung“ der Polizei bezeichnet werden, ohne dass dies als deren Herabwürdigung gemeint gewesen wäre. Nicht als Denunziation der staatlichen Gewalt, sondern als realistische Einschätzung der ausführenden Gewalt, an deren Tag von Stuttgart, Ostersamstag 2021.

Wohin aber mit der Überforderung, wenn sich der Ausnahmezustand weiterhin zuspitzt? Wenn die Verlagerung von Hass und Hetze aus dem Homeoffice in die Öffentlichkeit zunimmt, sich vermehrt, zuspitzt? Wenn noch mehr Menschen, die ihre Zeit in den sozialen Netzwerken mit Verleumdung und Leugnung verbringen, nicht nur an Sonn- und Feiertagen auf die Straße drängen?

Am Ostersamstag, als der Bundespräsident in seiner Fernsehansprache meinte, es gebe aus der Corona-Krise keinen Königsweg, schoben sich Tausende über die Stuttgarter Königstraße. Welch eine Ko-Inzidenz. Sie zeigt nicht zum ersten Mal eine Hauptstraße der unverfrorenen Bewegung, im Schutz der Masse. Zum wiederholten Mal eine Via Triumphalis der unverhohlenen Verachtung dieser Republik. Sie wird zu ihrem Selbstschutz Umdenken in Stellung bringen müssen.

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