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Knödel

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Von: Stephan Hebel

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Warum heißt Pfanni nicht Topfi?
Warum heißt Pfanni nicht Topfi? © imago/Westend61

Was die ostdeutschen Frauen damals taten, also zur Zeit der Erfindung von "Pfanni", weiß kein Mensch, aber das ändert nichts an der Leistung von Konsul Eckart.

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Mal angenommen, jemand erzählt Ihnen, er sei mit einem irrsinnigen Tempo durch die Kurve gefahren. Denken Sie dann, er hätte beim Abbiegen ein besonders schönes oder hässliches oder großes Papiertaschentuch dabeigehabt? Wenn Ihnen aber jemand erzählt, er sei mit einem irrsinnigen Schnupfen in Urlaub gefahren, dann fragen Sie ihn garantiert nach seinem Tempo. Beziehungsweise mehreren Tempos, denn in diesem Fall redet man nicht von „Tempi“.

Jedenfalls ist es dem Wort „Tempo“ gelungen, sich des Papiertaschentuchs jedweder Marke begrifflich zu bemächtigen, obwohl es doch gar nicht passt. Zumindest früher hätte man geschworen, dass es schneller geht, die Stoff-Rotzfahne aus der Hosentasche zu ziehen, wo sie zusammengeknüllt wartet, mit einem raschen Schwung aufzuschütteln und an die Nase zu halten, als ein komplex gefaltetes Stück Zellstoff aus einer Verpackung zu klauben, mühsam zu entfalten und dann endlich seiner Bestimmung zuzuführen. Tempo sah selbst damals, als die Zeiten insgesamt noch langsamer waren, ganz anders aus, schneller nämlich. Und kommen Sie nicht mit Hygiene, die hat mit dem Namen des Taschentuchs nichts zu tun.

Und Pfanni? Also Knödel?

Im Rahmen einer Recherche zum Thema Wok und Pfanne begegnete uns auch das Standardwerk zum Thema (Der Spiegel, Ausgabe 17/1966), unter dem Titel „Knödel vom Konsul“.

Beim „Konsul“ (von Guatemala, und das war damals noch weiter weg als heute!) handelt es sich um Herrn Walter Eckart, damals 57, der das „Kartoffelgeschäft“ (Der Spiegel) betrieb. „Hausmusikant Eckart (Violine, Oboe)“ verfügte nicht nur als Mittelfranke über „Knödelerfahrung“, sondern entwickelte sein Verfahren, Kartoffeln das Wasser zu entziehen, „just zu der Zeit, als Westdeutschlands Frauen der Küchenfron überdrüssig wurden“, und das taten sie offenbar bereits 1949, als Pfanni gegründet wurde.

Was die ostdeutschen Frauen damals taten, weiß kein Mensch, aber das ändert nichts an der Leistung von Konsul Eckart, der sogar wusste, dass Kenner am Kloß „eine grünliche Färbung schätzen“, was nur Dilettanten unangenehm an Taschentücher erinnert, und zwar zu Unrecht.

Aber warum Pfanni und nicht Topfi? Seit wann werden Knödel in der Pfanne gekocht? Das ist eine sehr dumme Frage, denn wie jeder halbwegs Eingeweihte weiß, weckt der Name Pfanni etwas ganz anderes, nämlich „zumindest bei der bayerischen Knödel-Kundschaft Erinnerungen an weiß-blaue Zeiten, als alle Köchinnen Fanni hießen“. Kleiner Schreibfehler, sonst nichts.

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