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Knallvergnügt – ein Produkt, das mit diesem Begriff beworben würde, würde man doch unbesehen kaufen. (Symbolbild)
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Knallvergnügt – ein Produkt, das mit diesem Begriff beworben würde, würde man doch unbesehen kaufen. (Symbolbild)

Times mager

Knallvergnügt

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Mit dem Wort Volumen-Lasagne ist einiges anzufangen. Trotzdem schaffen es Wortneuschöpfungen aus der Werbung selten in den Duden.

Vorhin an der Ampel: Ein Plakat wirbt für ein Tabakprodukt mit den Worten: „So gut schmeckt nur Deutschlands Nr. 1 im Volumentabak.“ Man kann an dieser Behauptung einiges merkwürdig finden. Die wenigsten unter den Raucherinnen und Rauchern würden wohl behaupten, dass ihnen Zigaretten gut schmecken. Und natürlich kann man hinterfragen, wie diese Spitzenposition wohl zustande kam. Verkaufszahlen? Oder gibt es offiziell ausgerufene Tabakwarendegustationen mit anschließender Punktevergabe? Stutzig macht aber vor allem der Begriff „Volumentabak“. Gibt es denn Tabak ohne Volumen? Raucht man den virtuell?

Es ist schon einige Jahre her, da hatte an gleicher Stelle (also auf dem Plakat neben der Ampel) das Wort „unkaputtbar“ gestanden. Was damals noch völlig plemplem klang, gehört heute bei zahlreichen Deutschen zum aktiven Wortschatz. Man muss also damit rechnen, dass man das Volumen-Präfix demnächst häufiger hören wird. Nach dem Motto „Bringst du bitte noch zwei Päckchen Volumen-Butter vom Supermarkt mit?“ „Neulich hatten wir eine Volumen-Lasagne beim Italiener – fantastisch!“ Das Wort Volumen hat Potenzial: Es ist positiv konnotiert und lässt sich vor zahlreiche Produkte setzen. Das hat es albernen Neologismen wie „Podden“ oder „Swiffern“ voraus, die es nie aus dem Fernsehen in den Alltag geschafft haben. Oder kennen Sie Menschen, die ihre Wäsche podden oder den Boden durchswiffern? Haben Sie Bekannte, die am Super-Framstag bei Penny einkaufen? Eher nicht.

Wortneuschöpfungen, die es aus der Werbung in den Duden schaffen, müssen uns Deutschen positiv vertraut erscheinen. „Schmusewolle“ war schon nicht schlecht, aber vermutlich zu kitschig. „Porentief“ funktionierte deutlich besser. Wussten Sie, dass der Begriff nicht etwa aus den zwanziger Jahren stammt, sondern aus der Clearasil-Reklame? Leider hat die Kosmetikindustrie daraus nichts gelernt. Hier toben sich Kreative mit kurzlebigen Wort-Ketten aus, die man niemals auf einem Einkaufszettel lesen wird: „Age Perfect Zell-Renaissance Tagescreme“, „Oil repair 3 coco frizz control kräftigende Spülung“, „Liftactiv H.A. Epidermic Filler“. Das kauft man nur einmal, weil das Zeug beim nächsten Mal schon wieder ganz anders heißt.

Schlauer wäre es, die Verantwortlichen nähmen gelegentlich mal ein gutes Buch zur Hand. Zum Beispiel einen Gedichtband von Joachim Ringelnatz: „Ich bin so knallvergnügt erwacht / Ich klatsche meine Hüften / das Wasser lockt. Die Seife lacht.“ Knallvergnügt – ein Produkt, das mit diesem Begriff beworben würde, würde man doch unbesehen kaufen.

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