Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Klüger wie wir

Kaum sitzt man einmal auf einer Parkbank, passiert gleich was: Mutter und Großmutter nehmen ebenfalls Platz. Die beiden kleinen Jungen aber tun das eigentlich Spannende. Von Judith von Sternburg

Kaum sitzt man einmal für ein paar Minuten auf einer Parkbank, passiert gleich was. Mutter und Großmutter nehmen ebenfalls Platz. Die beiden kleinen Jungen in ihrer Begleitung bereiten ein kompliziertes Spiel vor, die Bank umlungernd.

"Ich wäre Ogo und Du wärst Rummi (Hörfehler?)", gibt der eine (7?) die Linie vor. "Aber ich hätte die bessere Waffe wie du", sagt der andere (eine Spur jünger, jedenfalls kleiner). "Aber ich hätte dafür den Zerstörer." "Und du würdest immer versuchen, mich zu treffen." "Aber du müsstest langsamer sein wie ich." "Aber ich wär doch total schnell, aber du wärst stärker, aber ich wär schneller." "Aber ich hätte einen Swoscher dabei." Vielleicht einen Swasher? Was ist ein Swasher? "Okay, du hättest den Swasher. Aber nächstes Mal ich."

Mutter und Großmutter sprechen unterdessen über Leute, die außerhalb eines übersichtlichen Zwei-Personen-Kreises keinen interessieren. Ach, wären sie doch leiser. Die Kinder genieren sich glücklicherweise nicht, vielmehr konzentrieren sie sich. Jetzt wird scharf geschossen. Wäre es auch dahergelaufenen Erwachsenen möglich, sich in dieser Situation noch auf irgendetwas zu konzentrieren außer sich unauffällig ein paar Notizen zu machen, müssten sie jetzt ein paar Zeilen von Sigmund Freud lesen, aus "Der Dichter und das Phantasieren".

"Die liebste und intensivste Beschäftigung des Kindes ist das Spiel. Vielleicht dürfen wir sagen: Jedes spielende Kind benimmt sich wie ein Dichter, indem es sich eine eigene Welt erschafft oder, richtiger gesagt, die Dinge seiner Welt in eine neue, ihm gefällige Ordnung versetzt. Es wäre dann unrecht zu meinen, es nähme die Welt nicht ernst; im Gegenteil, es nimmt sein Spiel sehr ernst, es wendet große Affektbeträge darauf."

Ferner zeigt die Szene, dass Kinder den Konjunktiv II, Irrealis, noch ganz ausgezeichnet zur Anwendung bringen (Freud selbstredend auch!). Sie lassen also auch grammatisch keinen Zweifel: Sie sind sich im Klaren darüber, dass sie in Wirklichkeit Marvin und Leon heißen, oder Lucca und Paul und so fort. Hingegen haben sie als gute Frankfurter die ortsübliche als/wie-Schwäche bereits verinnerlicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare