Delfinjunges im Aquarium
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Von Delphinen wusste man bereits, dass sie intelligent sind.

Times mager

Kleinhirn

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Wer sich auf die Fährte von Delphinen begibt, muss zwangsläufig tauchen. Aber auch die Tricks, die die Tiere beherrschen, lassen die Luft anhalten.

Delphine benutzen die Häuser großer Meeresschnecken, um Fische zu fangen. Und Kolibris setzen Prioritäten und haben eine Vorstellung von Reihenfolge, wenn es um nektarreiche Blüten geht. Nein, so richtig zählen können sie vermutlich nicht, meinen die Forscher. Aber obwohl ihr Gehirn winzig ist, ist es doch offenbar oho, denn hundert Prozent der befragten Kolibris gaben an, im November bestimmt nicht Trump wählen zu wollen. Okay, das hat das Times mager jetzt erfunden, die Autoren der Studie wollten die kleinen Tiere nicht ablenken von ihrer Blütensortieraufgabe und zudem ihre Fördergelder nicht gefährden, indem sie sich dem Vorwurf des Linksradikalismus aussetzten.

Die Kolibris ließen sich nicht einmal von künstlichen Blüten durcheinanderbringen und nicht einmal, wenn deren Standort vertauscht wurde. Als Frau kann man sich ihnen durchaus verbunden fühlen: Jahrhundertelang wurde behauptet, unser Gehirn sei zu klein, um mit dem von Männern mithalten zu können – Kolibris beweisen nun, es kommt nicht auf die Größe an. Außerdem hielt man Frauen für viel zu verwirrt, um fundierte politische Entscheidungen zu treffen. Auch das widerlegen die kleinen Vögel, denn dürften sie wählen, würden sie – siehe oben – kluge, wenn nicht die klügsten Entscheidungen treffen.

Von Delphinen wusste man bereits, dass sie intelligent sind. Ein Delphin namens Flipper hat schließlich schon Geschnatter und Gekecker für eine ganze Fernsehserie auswendig gelernt und nicht ein einziges Mal, wie wir aus zuverlässiger Quelle wissen, seinen Text vergessen. Zwar soll er unzufrieden gewesen sein, dass seine Gage weit unter der der menschlichen Schauspieler lag, aber immerhin konnte er vor den Mädels mit seiner Fernseh-Berühmtheit angeben. Manche Delphindame schwamm vermutlich nur deswegen mit ihm in eine der einschlägig bekannten Unterwasserschmusehöhlen.

Aber das Times mager schweift ab. Der Trick mit den Meeresschneckenhäusern jedenfalls funktioniert so: Der Delphin jagt die Fische da rein, verstopft die Öffnung mit seiner Schnauze wie mit einem Pfropfen, hebt das Haus kurz aus dem Wasser und kippt es dabei, so dass das Wasser rausläuft – und die Fische ihm direkt ins Maul gleiten. Schlaraffenland.

Die Forscher wollten zudem herausfinden, wie die Tiere das Wissen um den Schneckenhaustrick weitergeben. Das Ergebnis: Am häufigsten bringen es Mütter ihren Töchtern bei. Nicht untersucht wurde wiederum, ob die Teenagersöhne halt lieber lange schlafen und dann Algen rauchend an Korallenbank-Ecken rumhängen, statt etwas Vernünftiges zu lernen.

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