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Das Kind im Feuilletonisten oder in der Feuilletonistin wünscht sich öfter ein Happy End unter Tränen.
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Das Kind im Feuilletonisten oder in der Feuilletonistin wünscht sich öfter ein Happy End unter Tränen.

Times mager

Kleiner Tag

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Dem Kind war der gerade vergangene Tag anstrengend. Es wünschte sich, es möge morgen anders sein.

Das erwachsene Feuilleton ist naturgemäß kein Freund und auch keine Freundin des Happy Ends, sondern steht ihm wie allem anderen neutral gegenüber, sonst hieße es ja nicht „das“ Feuilleton. Spielt man zum Beispiel dem erwachsenen Feuilleton das Kindermusical „Der kleine Tag“ vor, dann achtet es keineswegs von der Handlung ergriffen, sondern fachmännisch wertend auf die künstlerischen Leistungen der Beteiligten und beginnt direkt nach dem Happy End sofort mit dem Rezensieren, ohne sich auch nur eine Träne der Rührung gestattet zu haben.

Nur wenn das Kind im Feuilletonisten oder in der Feuilletonistin kurz die knallhart professionelle Schale durchbricht und an die Oberfläche drängt, lässt das Happy End für Zehntelsekunden die Lippen erbeben, aber bevor auch nur eine Träne den Weg ins Auge findet, ist Schluss. Zur Handlung des Kindermusicals „Der kleine Tag“ fragen Sie bitte Ihre mit Kindern gesegnete Verwandtschaft.

Was aber, wenn die Feuilletonistin oder der Feuilletonist der Wirklichkeit begegnet, also jetzt nicht der in Kunst gegossenen, die ja eigentlich oft die wirklichere Wirklichkeit ist, sondern der schnöden, durch keinerlei künstlerische Geste zur tieferen Erkennbarkeit erhöhten, banalen Realität? Das kann zu ziemlich schmerzhaften Zusammenstößen führen, oder es gibt Tränen der Freude.

Auf Twitter gab jüngst eine Mutter wieder, was ihr Vorschulkind beim Schlafengehen kundgetan hatte: „Morgen ein kleiner Tag. Heute war mir anstrengend.“

Das Kind, das da so unverblümt seine Forderung für die nahe Zukunft formulierte, hatte offensichtlich einen langen Tag hinter sich, aber eher keinen großen. Das Verlangen, diese Fehlentwicklung sofort nach dem nächsten Aufstehen zu korrigieren, war also absolut berechtigt, und das Kind konnte nun wirklich noch nicht wissen, dass es auch am nächsten Abend keine Lust haben würde, zum von der Elternschaft vorgegebenen Zeitpunkt ins Bett zu gehen.

Dennoch hat es etwas Erhebendes, dass das Kind nach einem „kleinen Tag“ verlangte. Und das wahrscheinlich in Unkenntnis des gleichnamigen Musicals für Kinder, siehe oben, das erst für mindestens Sechsjährige empfohlen wird. Es scheint vielmehr so zu sein, dass das Kind, so kurz und klein wie es noch war, den Unterschied zwischen „klein“ und „kurz“ noch nicht recht erfassen konnte. Es beanspruchte einen Tag, der so klein sein sollte wie ein Köfferchen, in das man ein paar schöne Dinge packt, aber nicht so viel Schweres wie in eine fette Reisetasche.

Da war eine sehr gute Idee, ganz ungekünstelt. Und – Happy End! – vielleicht ist es ein richtig großer Tag geworden.

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