Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Allerdings zeigt eine just von der National Academy of Sciences veröffentlichte Studie, dass kleine, zurückhaltende Fische sich weniger oft fangen lassen als große, aktive.
+
Allerdings zeigt eine just von der National Academy of Sciences veröffentlichte Studie, dass kleine, zurückhaltende Fische sich weniger oft fangen lassen als große, aktive.

Times Mager

Kleiner Fisch

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Selbst das Material ist ermüdet im Jahr zwei der Pandemie. Aber scheue Fische haben es trotzdem besser.

Einige Jahre standen die Schuhe im Regal, niemand zog sie an, niemand fasste sie auch nur an, wahrscheinlich aus dem fadenscheinigen Grund, sie seien nicht mehr modisch. Pah, dachten sich da die Schuhe irgendwann, jetzt wollen wir auch nicht mehr. Jetzt lassen wir uns gehen – kein Wortspiel beabsichtigt –, schlaffen ab, bröseln vor uns hin. Nichtstun schadet der Kondition und der Fasson, das kann für diejenige, die uns Jahr um Jahr ignoriert hat und nun ganz plötzlich was von uns will, eigentlich nicht überraschend kommen.

Kam es aber doch. Allerdings stand im Kopf der in Schuhen Gehenden, die sich nun partout gehen lassen wollten, sofort auch das Wort für das bereit, was da Schritt um Schritt auf den Gehweg bröckelte, in kleinen Stücken, in größeren Stücken: Materialermüdung. (Hänsel und Gretel freilich wären solche Schuhe einst zupass gekommen, kein Vogel hätte den zähen Gummi aufgepickt, kein Mäuschen sich damit davon gemacht.)

Materialermüdung also. Zu keiner Zeit hätte die Gehende das besser nachfühlen können als im Jahr Zwei einer Pandemie, in dem so allerlei Material, auch das geistige, vielleicht vor allem das geistige, ermüdet ist. Womöglich unter „zusätzlicher Einwirkung eines korrosiven Mediums“, wie Wikipedia vorschlägt?

Spontan fallen Ermüdete, Frustrierte ein: der Couch-Stoff, überfordert von täglicher Reibung mit einem noch dazu immer schwerer werdenden Hinterteil; die Socken, die es hassen, zum Wollmäusesammeln missbraucht zu werden (wie wäre es mit Feudeln, fragen sie, aber wer hört ihnen zu?); der Ficus benjamina, genervt vom zudringlichen Gezupfe, so dass er immer mehr Blättchen abwirft; die Spinne, die gern mal ein Flieglein verspeisen würde, ohne dass ihr jemand dabei zusieht, als sei das eine öffentliche Performance; gar nicht zu reden von den Gedanken, die man, wäre das nur möglich, mit einem nicht zu heftigen Tritt, aber doch einem Tritt in Schwung bringen möchte. He, würde man sagen, he, was denkt ihr, das ihr da tut? (Oder vielmehr nicht tut.) Auf der faulen Hirnhaut liegen?

Allerdings zeigt eine just von der National Academy of Sciences veröffentlichte Studie, dass kleine, zurückhaltende Fische sich weniger oft fangen lassen als große, aktive. Dass also zwar die Draufgänger den Wurm, aber keinen Selektionsvorteil haben, da dieser Wurm quasi die Henkersmahlzeit sein kann. Sagen Sie jetzt nicht, das könne man sich ja denken, denn wer zu schüchtern ist zuzubeißen, der kann auch nicht geangelt werden. Freuen Sie sich lieber über die abgewetzte Couch, denn sie beweist, dass Sie zu den Scheuen gehören, die sich in diesem Fall nicht grämen sollten, ein kleiner Fisch zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare