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Times Mager

Kleiner Amok

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Liegt es am väterlichen Vorbild oder an den vorbildlichen Boulevardblättern? Das Kind in der U-Bahn hebt seine kleine Faust gegen den Kopf des Vaters, der hält den Kopf auch hin... Von Christian Thomas

Mit einem Vater und seinem Kind eine U-Bahnfahrt zu teilen, ist eine menschliche Begegnung ohnegleichen, wenn das Kind nicht stillhält und zu fragen nicht nachlässt, wie oft denn der Vater schon im Wrestling gewonnen habe. Boxen, so beharrt der Vater. Denn worauf es, das Kind, mit seinem Fingerchen zeigt, das, wiederholt der Vater, sei nun mal kein Wrestler, wohl aber ein Boxer, also noch einmal, kein Wrestler, so der Vater. Damit der vielleicht Fünfjährige etwas von dem Unterschied versteht, faltet ihm der Vater seine Boulevardzeitung vollständig auf, und es sind Boxerbrust und Boxerkopf nicht nur fleischfarben abgebildet, sondern so lebensgroß wie ein Kleinkindoberkörper.

Die Macht der Bilder, sie bringen die feinen Unterschiede zwischen Faustkampf und Ringkampf unmittelbar an den Adressaten, die Nuancen des Zweikampfs an den kleinen Mann, der von der ganzen Sache, die ihm der blutige Boulevardboxerkopf zeigt, so viel verstanden hat, dass er eine Bitte hat: Nimm die Brille ab, so der Junge zum Vater.

So kommt es (liegt es am väterlichen Vorbild oder den vorbildlichen Boulevardblattbildern?), dass das Kind seine Kleinkindfaust gegen den Kopf des Vaters erhebt, der seinen Kopf tatsächlich hinhält, während das Kind einen Boxhieb ansetzt - andeutet, wie sich im nächsten Moment herausstellt, so dass die Frage im Raum steht, ob auch das an allerlei Vorbildern liegt, wenn es in diesem Augenblick nicht zum Äußersten kommt, auch wenn der Vater nun die U-Bahnbank dazu nutzt, um dem Jungen vorzumachen, was es bedeutet, dahinzusinken, ohne wirklich getroffen worden zu sein, wie in der U-Bahn jeder Sterbliche erleichtert feststellt.

Ja, das väterliche Vorbild ist schon im zarten Alter der Kinder kräftig ausgebildet, vor allem von Jungenbeinen an. Um es weiterhin wahrzunehmen, nutzt der Vater erneut seine Brille, und während das Kind nicht von der Frage ablässt, wie oft der Vater schon beim Boxen gewonnen habe, hat der Vater die Boulevardzeitung zusammengerollt, um mit ihr den Kindskopf zu bearbeiten. Und schon haben am Gebrauch der eingerollten Boulevardzeitung Vater und Sohn ihren Spaß wie Generationen an der Klatsche des Kasper oder uralte Menschengeschlechter an ihrer Keule.

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