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Christina Koch (Mitte) und Anne McClain (r.) sollten zusammen aus der ISS aussteigen. Doch es gibt nicht genügend passende Anzüge.

Times mager

Kleiderfragen

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Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Das gilt auch im Weltraum. Dort gab es nicht genügend passende Anzüge für zwei Astronautinnen.

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung. Dieser Satz, mit dem sich Wanderer gern selbst beruhigen, wenn sie in der Apex Flex Dryvent Superbody Ultimate Hooded Runbold Softshell-Jacke (oder in einer mit ähnlicher Bezeichnung, nur teurer) bei Windgeschwindigkeiten von 110 km/h durch den Wald laufen, wo über ihnen Äste knarzen und ächzen, ist ungefähr so zutreffend wie der alte Bahn-Slogan „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Auch in diesem Jahr wurde wegen Unwetter der Zugverkehr bereits einige Male eingestellt – dabei tragen Züge immerhin die Hardshell-Version.

Was das Times mager nicht wusste: Es gibt auch Weltraumwetter. Zwar unseres Wissens keine Graupelschauer und Starkregen (in welche Richtung sollten sie auch fallen?), dafür chromosphärische Eruptionen, koronale Massenauswürfe, eruptive Protuberanzen (Letztere kennt man auch auf der Erde, aber dazu diesmal nicht mehr). Und damit verbunden Teilchenstürme, Strahlungsausbrüche, Protonenschauer. Das Times mager kann nicht wirklich behaupten, dass es die Details des Weltraum-Wetterberichts versteht. Eigentlich versteht es auch die Nichtdetails nicht.

Aber es versteht, dass die Nasa jetzt einen Weltraumspaziergang von Astronautinnen – es wäre an diesem Freitag der erste „rein weibliche“ Weltraumspaziergang gewesen – absagen musste, weil es an der richtigen, dem Anlass gemäßen Kleidung fehlte. Jetzt kann man meinen: Na ja, wenn drei Dutzend Astronautinnen auf einmal durch Teilchenstürme und Protonenschauer schlendern wollen, im großen Weißen und frisurschützenden Helm … Allerdings handelte es sich um zwei – in Worten: 2 – Frauen, von denen eine nun zu Hause bleiben muss, weil die Nasa nur über einen – in Worten: 1 – Weltraumanzug in der richtigen Größe verfügt. Und L halt doch zu sehr schlackert.

Und dann war da noch die Opernsängerin, die mit einem blau-goldenen, also als EU-freundlich zu verstehenden Kleid auf die Bühne der Royal Albert Hall gehen wollte – und gebeten wurde, sich etwas anderes anzuziehen. Sie wechselte zu Rot. Ließ aber vielleicht, listig, die Halskette mit den kleinen goldenen Sternen an. Aus der man ihr schließlich keinen Strick hätte drehen können. Denn selbst über einem Großbritannien, das womöglich im Jahr 2037 mit Blau-Gold abgeschlossen haben wird (womöglich bittet es aber 2037 gerade um die nächste Verschiebung), selbst über diesem Land wird dann noch ein grenzenloser Sternenhimmel stehen.

Und der berühmte englische Wetter-Smalltalk wird sich darum drehen, was man im Fall von koronalen Massenauswürfen und eruptiven Protuberanzen am besten trägt.

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