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Kleider

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Von: Stephan Hebel

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Bleibt ein faszinierendes Kleidungsstück: Der Hosenträger
Bleibt ein faszinierendes Kleidungsstück: Der Hosenträger © imago

Von Hosenträgern, Hosenträger-Trägern und seltsamen, eher unpassenden Namensgebungen.

Der neue Gast hatte noch nicht Platz genommen, da war sein Anliegen bereits dem gesamten Kaffeehaus bekannt. Bereits im Hinsetzen hatte er seiner Begleiterin lautstark zugerufen: „So, jetzt noch Hosendreecher“, denn das Kaffeehaus befand sich dieses Mal im Fränkischen.

Die Begleiterin hatte gar nicht reagiert, und ihr Daseinszweck schien ohnehin nur im Dasein zu bestehen, denn sie schwieg weiter, als der Mann die gesamte Tischnachbarschaft freundlich brüllend befragte: „Wissen Sie, wo es hier Hosendreecher gibt?“ Nicht die elastischen, fügte er hinzu, sondern feste, vielleicht lederne Träger, womit die benachbarten Kauf- und Modehäuser, die ihm jedoch unbekannt seien, denn er sei nicht aus der Stadt, ausfallen dürften. „Vielleicht“, schrie er nun vor sich hin, „ein Dråchdenlåden?“

Als der werdende Hosenträger-Träger das Kaffeehaus wieder verlassen hatte, einigte sich die Tischrunde zunächst darauf, dass es sich bei ihm und seiner Begleiterin um fränkische Umland-Bewohner in Autobahn-Nähe handeln müsse, denn nur so leuchte ein, dass ihnen offenbar lediglich die Alternative zwischen Schreien und Schweigen zur Verfügung stehe. Vor allem aber entspann sich ein lehrreiches Gespräch über textile Begrifflichkeiten.

Es sei doch interessant, bemerkte ein Herr aus heiterem Himmel, dass der Hosenträger die Hose nur trage, wenn der eigentliche Träger der Hose wiederum seinerseits den Hosenträger trage. Und doch, ergänzte eine ältere Dame, trage der Hosenträger seinen Namen deutlich eher zu recht als etwa der Binder, der gar nichts binde, sondern sich vielmehr als Gebundener am Körper befinde. Nicht anders, ergänzte nun wieder ein Herr, sei es beim Schlüpfer, der ja wohl zum Schlüpfen so wenig in der Lage sei wie der Binder zum Binden.

Treffend, so nun wieder der erste Herr, seien dagegen Bezeichnungen wie Strumpf-, Hüft- oder Büstenhalter, während etwa der Pullover ganz und gar aus der Reihe tanze, es sei denn, man übersetze ihn wörtlich in einen „Überzieher“, der nun wieder in die Liste der Fehlbenennungen passe, weil es der Träger sei, der ihn überziehe, und nicht der Pullover, von dem man allerdings andererseits sagen könne, dass er am Ende den ganzen Oberkörper mit Stoff überziehe, zum Beispiel mit Wolle, und dann stimme es wieder.

Die Dame wies noch darauf hin, dass der Überzieher eher einen Mantel darstelle als einen Pullover, man denke nur an Otto Reutter und seine Überlegungen zur Wirtshaus-Garderobe: „Seh’n Sie weg von dem Fleck, ist der Überzieher weg.“ Aber die anderen hatten schon bezahlt.

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