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Kleeblatt

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Aasiges Pathos des deutschen Pavillons auf dem Biennale-Gelände Venedig: Der aggressive Baukörper hat Architekten und Historiker zuletzt in den 1990er Jahren intensiv beschäftigt. Von Christian Thomas

Der deutsche Pavillon auf dem Biennale-Gelände Venedig ist kein besonders beliebter Baukörper. Immer wieder wurde ihm deshalb zu Leibe gerückt. Unvergessen, wie der Künstler Hans Haacke den Pavillon 1995 verfremdete. Den Travertinfußboden hatte er aufhacken lassen, so stand der Besucher auf deutschem Pavillonboden vor einem Scherbenhaufen. Über dem einst mit Hoheitszeichen und Hakenkreuz dekorierten Eingang hatte Haacke eine D-Mark-Attrappe montiert.

War das klug? Erhellend gar? Jetzt hat der Präsident der Bundesarchitektenkammer, Arno Sighart Schmid, gar den Abriss und einen Neubau des Pavillons vorgeschlagen. Der Pavillon, so heißt es kurz vor Beginn der diesjährigen Architektur-Biennale, "entspricht so ganz und gar nicht mehr unserem demokratischen Staatsverständnis. Es wird Zeit, dass wir uns vom jetzigen Gebäude mit der ausgeprägt nationalsozialistischen Monumentalität verabschieden."

Mal langsam. Bei seiner Einweihung, 1909, war der Pavillon ein antikisierender Kunsttempel, gezeichnet nach Vorstellungen der Münchner Sezession. 1938 wurde er zu einem dröhnenden Gebäude offizieller Kunstpolitik, er wurde umgebaut, der Giebel abgerissen, die ionischen Säulen ersetzt durch kannelierte Pfeiler, seitdem stützt Pathos einen Architrav, darin eingemeißelt die Inschrift "Germania". Das jedoch ist kein NS-Erbe - das bedeutet nun mal Deutschland.

Der aggressive Baukörper hat Architekten und Historiker zuletzt in den 1990er Jahren intensiv beschäftigt, die Architekten im Rahmen eines Ideenwettbewerbs, den Architekturhistoriker Vittorio Lampugnani in einem Gutachten. Zu Recht wies er dabei auf die räumliche Einbindung des deutschen Pavillons in das Pavillon-Ensemble hin, den Auftritt nachgestellter Antike am Südwest-Zipfel der Giardini. "Alle drei", der deutsche, der französische und der englische Pavillon, so Lampugnani damals, "bilden gleichsam ein Kleeblatt".

Darüber lässt sich in dem wunderbar milden Stadtpark Venedigs nicht hinwegsehen - wenn man sich denn damit arrangiert hat, dass das Pathos des deutschen Pavillons etwas Aasiges hat.

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