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Vom Kleeblatt

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Von: Christian Thomas

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Das Buch ist „Begleiter, Mitbewohner, Helfer, Freund“.
Das Buch ist „Begleiter, Mitbewohner, Helfer, Freund“. © dpa

Das Buch kann durchaus für sich alleine stehen, und tatsächlich tut es das, selbst wenn auf dieser Frankfurter Buchmesse, der 68., zehntausende Bücher ausgestellt werden.

Das Buch ist in den letzten Jahren schwer unter Druck geraten. Aber warum, so sagen Menschen, die es mal so richtig wissen wollen, soll es dem Buch anders gehen als dem Öffentlichen Nahverkehr, der „Tagesschau“ oder den Schuhsohlen? Auch sie sind täglich unter Druck.

Aus diesem Vergleich wird ersichtlich, wie sehr Vergleiche häufig hinken. Und dass man nicht immer so weit ausholen muss, bloß um das Buch in ein Verhältnis zu etwas anderem zu setzen. Denn das Buch kann durchaus für sich alleine stehen, und tatsächlich tut es das, selbst wenn auch auf dieser Frankfurter Buchmesse, der 68., zehntausende Bücher ausgestellt werden, in der allgemeinen Gemengelage darunter das eine oder andere als „Ausdruck unserer Kultur und Zivilisation“. Darauf macht in diesen Tagen der Schriftsteller Burkhard Spinnen aufmerksam in seinem Buch: „Das Buch“ (Schöffling & Co).

Was Bücher tun, dass sie „ganz selbstgenügsam in den Regalen zu stehen scheinen“ (Spinnen), gilt nicht unbedingt für das Buchmessebuch. Selbstgenügsam ist es wohl nur dem Schein nach. Das Buchmesseexemplar ist keine Art von Buch, das „in sich ruht“ – was Spinnen dem Buch in seiner Reinkultur wünscht. Entstanden ist eine „Hommage“ von rund 40 Feuilletons, in der, nicht von ungefähr, Alfred Polgar und Peter Altenberg die ersten sind, die namentlich erwähnt werden, zwei aus der Jahrhundertelf des deutschsprachigen Feuilletons.

Gerade heute ist ein elegantes, entspanntes (unexaltiertes) Feuilleton schwer unter Druck. Aber warum auch nicht, das gilt auch für die Kanzlerin oder jede Kassiererin – oder das Buch, ja, zumal während des Trubels auf der Messe. Doch trotz des Tam-Tams, trotz des – das brutale Wort wollte einst pfleglich behandelt werden – Warencharakters des Buches hat es ausgerechnet dem Fortschritt getrotzt, mit ihm Technisierung und Mobilisierung. Man mache sich nur kurz klar, wie sehr selbst das herkömmliche und noch nicht zum E-Book hochgerüstete Buch sich bei jeder mobilen Gelegenheit (in der Bahn, in der U-, oder Straßenbahn) weiterhin eignet. Ist ein Buch zur Hand, dann nicht nur als Werkzeug, und wenn es darüber hinaus nicht aus dem Kopf geht, dann deswegen, weil es „Begleiter, Mitbewohner, Helfer, Freund“ (Spinnen) ist.

Man mag das für ausgesprochen naheliegend halten. Ist es nicht! Ist es doch ein Gedanke, der nicht auszudenken ist – also in vielerlei Hinsicht nicht ausgeschöpft werden kann. Deshalb noch einmal: „Begleiter, Mitbewohner, Helfer, Freund“. Die Rede ist von einer Rarität, quasi einem vierblättrigen Kleeblatt.

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