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Times mager

Klassenfahrt

Montagmorgen in der Bahn. Die Schwester des Schülers durfte nicht mit auf die Klassenfahrt. Das interessiert auch Pendler.

Der Tag begann damit, dass der Wecker sich widerrechtlich auf eine falsche Uhrzeit gestellt hatte. Er setzte sich damit fort, dass die Tasse sich beim Eingießen des Kaffees unverschämt verkleinerte, wohingegen sich der Weg zum Bahnhof verlängerte. Selbst die Frau im roten Anorak, die einem an der Ecke Viktoriastraße signalisiert, dass man noch ein Viertelstündchen Zeit hat, trug Schwarz und tauchte zwei Straßenecken zu früh auf.

Besser mit den Schwierigkeiten eines Montagmorgens wurde dann eindeutig eine Lehrerin fertig, die sich mit ihrer Klasse auf eine Reise begab. Die gewöhnlich unangenehm provozierende Haltung von Menschen, die leise sprechen, damit andere die Ohren spitzen müssen, fand in dieser Frau ein einziges Mal Sinn und Erfüllung. Denn Ruhe, Vernunft und Entspannung herrschten um sie her, und dies bei sardinendosenhafter Unterbringung der Kinder. Sie kam nicht nur auf das Thema Nachtwanderung, Tagwanderung und Zwölf-Kilometer-Wanderung zu sprechen, sondern auch etwa auf das Thema Nussschokolade, als hätte sie gewusst, dass 13-, 14-Jährige über nichts lieber sprechen als über den Proviant in ihren Taschen.

Auch wurde es zwischendurch brennend interessant. Sehr nett und direkt sagte nämlich die Lehrerin zu einem Knaben, dass seine Schwester unbedingt hätte mitkommen müssen. Der Knabe sagte, jemand müsste eben schließlich der Mutter helfen. Während sich Pendlerköpfe drehten und Augenbrauen hochzogen, sagte die Lehrerin, dass das aber nicht die Aufgabe der Schwester sei, die sie darum eben beim Verabschieden noch einmal umarmt habe.

Mit Fingerspitzengefühl

Man kann diese Szene folgenlos nennen. Man kann auch sagen, dass die Möglichkeiten einer Lehrerin begrenzt, aber nicht nicht vorhanden sind. Es mischte sich auch keins der anderen Kinder ein, keins feixte, alle guckten und hörten, und Gedankenleser wären auf ihre Kosten gekommen. Fingerspitzengefühl lag im Gedränge. Die Lehrerin, die offenbar gesagt hatte, was zu sagen war, wechselte das Thema und fragte den Bruder des Mädchens, das seiner Mutter helfen soll und darum nicht mit auf Klassenfahrt fahren darf, nach irgendetwas ganz anderem.

Bei der Ankunft im Büro wartete dann eine Mail mit dem erheblichen Angebot „Versuchen Sie zuerst, und dann zahlen“. Das auf dieses Weise geradezu sich aufdrängende Produkt war jedoch eines, mit dem eine durchschnittliche Zeitungsredakteurin beim besten Willen nichts anfangen kann. So dass der Montag ab hier wieder den üblichen widerborstigen Verlauf nahm.

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