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Soundtrack der Alpen: Alpenidyll oder Tierquälerei? Foto: Andreas Heimann
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Soundtrack der Alpen.

Times mager

Klangheimat

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Kuhglocken? Taubengurren? Pumps-Donner? Bei manchen Geräuschen fühlt man sich Zuhause.

Fui fui fui. Pihi pihi pipipi. Huhi huhi hüi. Tschickitschikitrrrrr. Müsste man raten, man würde die munteren Vögel in einem oberbayerischen Bergwald vermuten. Man ist zwar eine Vogelstimmen-Laiin, denkt aber, dass die Zwitscherer des Moskauer Bitza-Parks sich – Amsel-, Drossel-usw.-Dialekte hin oder her (und schon erinnert man eine Kinderlied-Melodie) – allemal verständigen könnten mit ihren Allgäuer Brüdern und Schwestern. Im Atatürk Arboretum in der Provinz Istanbul geht es dagegen verblüffend leise, geradezu schüchtern zu – oder wurde der Beitrag zum Wald-Klänge sammelnden Projekt Tree.fm zur falschen Tageszeit aufgenommen, waren die Vögel gerade im Mittagsschlaf, drehten sich trotzig auf die andere Seite? Hört man deswegen im Arboretum, statt Fififiii, Zwizwizwi oder Tschrrr-tschrrr, nur einen im Gras knisternden Schritt, den des Aufzeichnenden nämlich?

In Transsilvanien, Campu Cetatii, sieht nicht nur der Buchen-Wald nach Taunus aus (dort, wo der Taunus noch nicht vertrocknet ist), auch das Zirpen und Flöten ist wie eine warme Decke, gewebt aus Vertrautheit. Und der Kuckuck erst. Das Kind kannte keinen Frühling ohne Kuckuck.

Fast im Alleingang hat Marcel Proust, eine Tasse Lindenblütentee in der einen, eine Madeleine in der anderen Hand, den Geschmack als Erinnerungsträger im Bewusstsein keineswegs nur der Proust-Leserinnen und -Leser verankert. Aber was ist mit dem Klang, den Geräuschen, mit denen man aufgewachsen ist, in Norwegen oder Neuseeland, Alaska oder Albanien? Was uns früh in den Ohren lag, ist es nicht eine mächtige Heimat, sogar das zarte Zirpen einer Grille?

Die einen ziehen aufs Land und bald auch vor Gericht, denn dass Hühner gackern, Hähne Frühaufsteher sind, Kühe bisweilen Glocken tragen und Kirchtürme fast immer, das konnten sie nicht ahnen, wuchsen sie doch mit Autobahnanschluss auf.

Hast du heute morgen die Tauben gurren gehört, fragt K., ich jedenfalls habe keinen Schlaf mehr gefunden. Ach, sagt W., das ist nichts gegen Frösche, glaub mir. Unser Nachbar hat einen Teich und ist stolz, dass dieser so viel Anklang findet. Tauben, Frösche, pah, mischt sich da die Stadtbewohnerin ein, ihr solltet mal die Pumps meiner Wohnungsnachbarin oben drüber hören. Und der alte Mann nebenan hat den ganzen Tag das Radio an. Und der junge Mann untendrunter singt im Bad, kann es aber nicht – also, das Singen, zum Baden kann ich nichts sagen.

Wie kamen wir drauf? Ach ja, durch die wunderbare Internet-Seite Tree.fm, durch deren Audiodateien man sich den ganzen Tag klicken könnte. Sie sollen verhindern helfen, dass die Heimaten verschwinden, die wir hören.

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