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Im Klagenfurter Hotel ist es so kühl, wie zuletzt im Frankfurter Kaufhof erlebt.

Times mager

Klagenfurt

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Das Wettlesen bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur bringt immer einige Gegensätze zusammen. Die Feuilleton-Kolumne.

Das Wettlesen bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur bringt immer auch einige recht allgemeine Gegensätze zusammen, von denen nachher (am Montag) meistens nicht mehr die Rede ist. Darum hier und heute einige Beispiele.

Hitze/Kühle Auch in Klagenfurt ist es gesundheitsschädigend warm, im Hotel dafür so kühl, wie es die Frankfurterin zuletzt im Kaufhof auf der Zeil genoss. Im ORF-Saal, in dem gelesen wird, ist es eh wie immer, aber auf der Straße verliert man sofort den Verstand. Natürlich reden alle über die Hitze. Als FR-Redakteurin kann man renommieren, täte aber gern verzichten darauf. Am zweiten Tag war der ORF-Saal dann auch so warm, dass Jurorin Nora Gomringer versorgt werden und für den Rest des Nachmittags passen musste. Eine diskrete Szene.

Frauen/Männer Es gab ein Novum. Das Los hatte für den gesamten ersten Lesungstag ausschließlich Frauen vorgesehen. Ein Zufall, aber ihm half, dass erstmals mehr Frauen als Männer nominiert wurden (8:6). Der Zuhörerin passierte jetzt etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte, schon gar nicht im Zusammenhang mit erzählender Literatur, dieser Kunstform, bei der massenhaft Leserinnen den Markt beeinflussen, nein, prägen können. Damit hatte sie also nicht gerechnet: Es war nämlich ein schönes Erlebnis. Nicht aus prinzipiellen Erwägungen, sondern weil sich die Texte – fünf Stück, von sehr unterschiedlicher Qualität, Technik und Thematik, auch wenn es, verrückte Sache, von Mutterfiguren wimmelte – der Zuhörerin so selbstverständlich und beiläufig erschlossen. Kein Transfair, keine Übersetzungsleistung. (Ist es das denn sonst? Echt?) Das heißt keineswegs, dass ihr jeder Text gefallen hat. Es spielte sich auf einer anderen Ebene ab. Vielleicht war auch das ein Zufall. Aber schön war es doch. Die Jurorinnen und Juroren argumentierten an keiner Stelle damit, dass es alles Frauen waren. Das war ebenfalls schön.

Bundesrepublik/Österreich/Schweiz Kein Wettlesen in Klagenfurt, bei dem das nicht irgendwann eine Rolle spielt. Ein Ihr, ein Wir. Die Boshaftigkeit in der österreichischen Literatur kam bereits am ersten Tag zur Sprache, auch die Ironieferne der Schweizer. Da dazu dermaßen viele Dialekte und Akzente, Humorsorten und Humorlosigkeiten zu erleben sind, ist die deutsche Sprache bei den Diskussionen zwar ein prächtiges Mittel zur Verständigung. Aber man staunt auch, wie unterschiedlich sich die Dinge über die Jahrhunderte entwickelt haben.

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