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Könnte man ein Küchenmesser verklagen?

Times mager

Klagegründe

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Erklärungsversuche für das Elend allen Seins.

Warum muss ich im Stau stehen?“, schreibt R., und: „Warum muss ich arbeiten? Warum soll ich Schmerz fühlen und unter Depressionen leiden? Warum soll ich überhaupt irgendetwas tun, wenn ich doch gar nichts tun möchte?“

Der 27-jährige Inder R. hat auf diese und andere Fragen eine bei näherer Überlegung durchaus logische Antwort: „Weil jemand mich zu seinem Vergnügen bekam.“ Mit „jemand“ meint er seine Eltern, die er jetzt verklagen möchte, weil sie ihn gezeugt und so obige vielfältige Unbill erst ermöglicht haben – ohne ihn vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Seine Mutter, eine Anwältin, versucht nun nicht, das Konzept des „Vergnügens“ bei der Erzeugung von R. anzufechten (was ja auch denkbar wäre), gibt vielmehr der BBC zu Protokoll: Wenn ihr Sohn erklären könne, wie vor seiner Geburt seine Erlaubnis hätte eingeholt werden können, „dann werde ich meinen Fehler eingestehen“. Übrigens ist auch der Vater von R. Anwalt.

Leider werden, anders als die Oscars, die Stella Awards nicht mehr vergeben; sie sind benannt nach einer Frau, die sich mit heißem Kaffee verbrühte, klagte und 2,9 Millionen Dollar Schmerzensgeld erhielt. (Frage: Hätte eine Klage gegen S. Aussicht auf Erfolg, falls man, aus übermäßiger Vorsicht des Coffee-to-go-Verkäufers, kalten Kaffee bekommt?) Einen Stella Award erhielt zum Beispiel ein Verwaltungsrichter, der für eine von der Reinigung verschlampte Hose 65 Millionen Dollar einklagen wollte, da sie ja lebensnotwendig ist, so eine Hose. Ein Stella wurde auch dem Mann zugesprochen, der immer wieder mit dem Basketball-Star Michael Jordan verwechselt wurde und Jordan sowie dessen Sponsor auf 832 Millionen verklagte, denn „ich bin ich“ (und da ist ja was dran). Ein anderer Mann sagte: „Ich bin Gott“ und ging gegen den Zauberkünstler David Copperfield vor Gericht, weil dieser „göttliche“ und darum von ihm, dem Kläger, gestohlene Kräfte einsetze.

Auch das Times mager kann sich so manches nicht erklären und würde gern ein höheres Gericht anrufen. Und warum bei den Eltern aufhören? Denkbar wäre doch, Dinge zu belangen, die sich frech in den Weg stellen (bevorzugt: Schienbeine, Ellenbogen, Stirn), die herunterfallen, zerbrechen und neues Gefahrenpotenzial schaffen, die in Daumen schneiden oder Finger verbrennen. Jedes Küchenmesser sollte eine Versicherung vorweisen können. Jedes Bügeleisen und jeder Doppelgänger sowieso – egal, ob er zaubern kann oder nicht. Um von der Schwerkraft gar nicht erst zu reden, die sich oft auch noch – gewiss in böser Absicht – mit einem gewienerten Boden zum Schaden des Menschen verabredet. Das Times mager wäre mit ein paar Millionen zufrieden.

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