Candice Bergen spielt besser Schach, ihr Entführer Sean Connery verliert mit Niveau.
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Candice Bergen spielt besser Schach, Sean Connery verliert mit Niveau.

Times mager

Kintopp

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Sean Connery, wie er ist, und die USA, wie sie sein wollen: „Der Wind und der Löwe“.

Aus gegebenem Anlass „Der Wind und der Löwe“ eingelegt, einen Abenteuerfilm von 1975. Denn hier spielt Sean Connery den Berberfürsten Raisuli und zeigen sich im Drehbuch von Regisseur John Milius die USA, wie sie gerne wären. Sehr cool und überlegen, außerdem im Recht. So war es vermutlich nie, aber so haben auch wir es in Erinnerung. Auch Sean Connery ist sehr cool und überlegen, eh.

1904, am Beginn der Ersten Marokkokrise, entführt Raisuli die attraktive amerikanische Witwe Eden Perdicaris und ihre Kinder – in Wirklichkeit handelte es sich um einen Lebemann gleichen Namens, aber mit einer Frau ist es offensichtlich aufregender, obwohl Connery und Candice Bergen höchstens Schach miteinander spielen. Candice Bergen spielt besser, Connery verliert mit Niveau. Die Entführung ruft Teddy Roosevelt auf den Plan, dabei will Raisuli vor allem die verzwirbelte Lage in seiner Heimat aufmischen, um die sich Franzosen, Deutsche und Briten streiten, während Raisulis schlaffe Verwandtschaft auf dem Thron Fahrradpolo spielen lässt.

So weit verhalten sich alle, wie man es gewohnt ist. Die Deutschen sind Unsympathen, die keine Mimik, aber Kanonen haben, ohne militärisch etwas zuwege zu bringen. Die Franzosen sind unkonzentriert und in Damenbegleitung. Der degenerierte orientalische Fürst ballert rum und hat einen Prunkwagen, der von Dutzenden Statisten gezogen wird.

Aber was machen die Amis? Sie haben keine große Lust sich einzumischen, aber sie lassen sich auch nicht auf der Nase herumtanzen, wenn es um ihre Staatsangehörigen geht. Sie haben die größten Kriegsschiffe, aber sie überrennen die, die ihnen im Weg herumstehen, lieber ohne großes Gedöns im Vorübergehen (die Deutschen: he, was soll das, die Franzosen: huch, quietsch). Sie sind egoistisch, aber ihr Sinn für Gerechtigkeit lässt sie auch Raisuli aus der Hand der Deutschen befreien. Ehrensache.

Sean Connery ist in einer Zeit, in der kulturelle Aneignung im Kino kein großes Thema war, überzeugend. Er und Brian Keith als Roosevelt – der Löwe und der Wind – sind die Titelhelden, die sich nicht treffen, die sich aber ähneln in Eigensinn und Melancholie. Raisuli will nur notfalls ein paar kleine Lichter köpfen, Teddy will nur friedfertig Bären schießen. Ja, die USA, darin die logischen Erben vergehender freier Kulturen, sind auch einsam und individuell. Nachdenklich legt Teddy die Winchester an.

Ferner fragt man sich die ganze Zeit, woher man den stürmischen jungen Militär kennt, der die Sache vor Ort zu Jeff Goldsmith’ ansprechender Mantel-und-Degen-Musik so freibeuterisch in die Hand nimmt. Sieh an, Ray Krebbs aus „Dallas“. Muss man sich auch wieder anschauen.

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