Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Spielende Kinder auf den Straßen dieser Gegend wurden eine ganze Weile nicht gesehen.
+
Spielende Kinder auf den Straßen dieser Gegend wurden eine ganze Weile nicht gesehen.

Times mager

Kinder

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

Kinder und Tanten, Kinder und fiese Spiele, Kinder und schimpfende Erwachsene.

Heute: Begegnungen mit Kindern, dieser Tage.

Tanten zweiten Grades sind es seit jeher gewöhnt, dass ihnen die Kleinen auf der Nase herumtanzen. Während das Bewusstsein darüber, was eine Tante zweiten Grades eigentlich ist, zunehmend schwindet, ist ihre Rolle als befremdliche Dame, die man gleichwohl duzen muss, weitgehend gleich geblieben. Tanten zweiten Grades befinden sich theoretisch im Alter der eigenen Eltern. Das heißt, dass sie alt sein müssten, aber nicht uralt. Tatsächlich sind sie aber ungemein steinalt, eine andere Zeit, eine andere Welt. Immerhin, darauf bestehen wir, zwickt die Tante zweiten Grades von heute den Kleinen nicht in die Wange. Sie weiß aber auch nicht recht, was sie mit ihnen reden soll, es ist alles so lange her. Für die Kleinen ist es dafür ein Zeitalter her, dass sie zuletzt andere Erwachsene außer ihren Eltern aus der Nähe erlebt haben. Erwachsene: einerseits todlangweilig, andererseits eine Abwechslung. Man kann über sie hinwegklettern. Man kann versuchen, sie zu erschrecken.

Auch vor dem Testzentrum hängen Kinder herum und warten mit ihren Eltern auf die Testergebnisse. Die Mutter hat ein abgefeimtes Spiel etabliert. Es gewinnt immer, wer am längsten schweigt. Obwohl die älteste Tochter, der Frechdachs, während des Spiels möglichst ungezogen ist – damit die Mutter das Schweigen bricht –, ist sie zugleich mucksmäuschenstill. Mucksmäuschenstill und trotzdem ungezogen zu sein – es ist leichter, als man gedacht hätte. Andererseits ist auf Kinder Verlass, die Mutter gewinnt eine Partie nach der anderen. Selbst die älteste Tochter leistet sich Totalreinfälle wie: „Ich hab immer noch nichts gesagt.“ Na ja, ist auch ein unfaires Spiel.

Spielende Kinder auf den Straßen dieser Gegend wurden eine ganze Weile nicht gesehen. Und gehört. Dies hängt nicht direkt mit Corona zusammen – obwohl die Straßen immer noch angenehm leer sind –, sondern mit der demografischen Entwicklung im Viertel. Nun aber ist es ein Juchzen und Quietschen, durch mehrere darin verwickelte Fahrräder auch in Dolby stereo, denn der Klang im Kino war immer schon echter als der sogenannte echte Klang. Während unsereiner melancholisch zurückdenkt, aber auch registriert, dass Kinder voll laut sind, da öffnet sich gegenüber ein Fenster, und es donnert die rhetorische Frage heraus, ob das notwendig sei, das Geschrei auf der Straße. Der Donnernde ist ein erwachsener Mann, aber viel jünger als wir. Schon das ist eine Enttäuschung, denn schrien früher nicht allein die Steinalten aus den Fenstern? Stellvertretend für die Kinder konnten wir den Mann nicht leiden. Die Kinder hingegen gehorchten sofort, für etwa zwei Minuten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare