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"Edmond de Belamy": Das von künstlicher Intelligenz gemalte Porträt eines Mannes. Es wurde gerade für unglaubliche 432 500 Dollar versteigert.

Times mager

KI-Kunst

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Sie treten jetzt auch als Maler auf. Outen sich bald die ersten Schriftsteller als geniale Computerprogrammierer?

Die neuesten Nachrichten von der KI-Front sind gemischt. Einerseits ist ein von künstlicher Intelligenz gemaltes Porträt eines Mannes gerade für unglaubliche 432 500 Dollar versteigert worden: „Edmond de Belamy“ guckt ganz melancholisch aus seinem weißen Kragen, hat Hamsterbäckchen und ist außerdem so verwischt, als sei Rembrandts Haushaltshilfe mit dem Staubtuch drübergegangen, als die Farbe noch feucht war. Man stelle sich also nur einmal vor, was ein scharfes Brustbild einer grübchenlächelnden Edmonde bei einer Auktion erzielen könnte. 

Da andererseits ein Rechner weder schlafen muss noch Stress-Kopfschmerzen bekommt, weder regelmäßig mit Kaffee noch Rotwein ermuntert zu werden, auch keinen Rausch auszuschlafen braucht, wird der Markt bald mit KI-Bildern überschwemmt werden. Die Preise werden purzeln („90 Cent zum Ersten, zum Zweiten ...“). Nicht einmal mehr die Materialkosten werden hereinkommen. In ihrer Verzweiflung werden die KI-Kunst-Programmierer den Rechner nicht mehr mit einem Teil seines Mal-Algorithmus signieren lassen, um die künstliche Authentizität zu beweisen. 

Vielmehr werden sie eine garantiert unleserliche Signatur eingeben und schwören, ein permanent Kaffee und/oder Rotwein schlürfendes, mürrisches und ungewaschenes, also hundertprozentig menschliches Genie habe Edmonde, Emilia, Josephine, Hortensia gemalt. Er oder sie möchte aber so unerkannt bleiben wie Thomas Pynchon und Elena Ferrante zusammen, da kann man nichts machen. 

Womöglich treten die beiden Schriftsteller nicht in der Öffentlichkeit auf, weil sie in Wahrheit geniale Computerprogrammierer sind, die aber schon immer davon träumten, den Literaturnobelpreis zu erhalten. Was also tun? Die Antwort liegt nahe: Einen Rechner mit ausgesuchter Weltliteratur füttern und an seinen Algorithmen feilen, bis sie einen individuellen Stil – bei Pynchon ist der Stilmix der Stil, schlau – zustande bringen. Dann einen Verlag finden. Und dem Rechner einen Vertrag unterschieben, wonach er auf das Copyright aller seiner Werke verzichtet, so lange ihm eine kontinuierliche Stromzufuhr, ein trockener, warmer Stehplatz und gelegentliches Abstauben garantiert werden. 

Das Times mager ist keine geniale Computerprogrammiererin, arbeitet aber im FR-Verbund daran, einen Glossen-Algorithmus zu entwickeln: etwas mehr als 80 Zeilen, das kann doch nicht so schwer sein. Dann den Rechner mit ein paar Meldungen vom Tage oder Vortage füttern, dann Return drücken ... und schon, immerhin: „Die neuesten Nachrichten von der KI-Front sind gemischt.“

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