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Warum beginnen die „Empfohlenen Fotos“ ausgerechnet mit einem Paar Kühe und wer empfiehlt uns die?
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Warum beginnen die „Empfohlenen Fotos“ ausgerechnet mit einem Paar Kühe und wer empfiehlt uns die?

Times mager

KI empfiehlt

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Achtung Einbrecher! Finden wir das gut, wenn unsere Handyfotos umgeräumt werden? Ohne uns zu fragen?

Es ist, als ob jemand nachts in die Wohnung einsteigt, zwar nichts klaut, aber einem die Schränke umräumt – jedenfalls vermutlich nichts klaut, denn nachzuprüfen ist das nicht.

Denn wo, auf welcher Speicherwolke, mag sich nun das Foto befinden, auf dem A. lächelnd das Weinglas hebt, auf unser Wohl? Und wo die Winterurlaub-Aufnahme, auf der Freundin B. auf weißer pulvriger Pracht liegt, nachdem sie Engelsflügel in den Schnee gedrückt hat? Warum beginnen die „Empfohlenen Fotos“ ausgerechnet mit einem Paar Kühe und wer empfiehlt uns die? Und wer empfiehlt außerdem ein paar Bilder, von denen wir nicht einmal mehr wissen, wo wir sie vor Jahren gemacht haben? Wenn wir sie denn gemacht haben. Welche KI hat entschieden, „Rückblicke“ anzulegen, unterlegt mit den Musikoptionen „Verträumt“, „Sentimental“ (Sentimental?), „Chill“ oder „Extrem“? Wer mischt sich in unser Leben ein, ohne dass wir darum gebeten, ja, ohne uns überhaupt gefragt zu haben?

Der unter anderem für den „New Yorker“ schreibende Autor Kyle Chayka erzählt, wie er eines Tages seinen virtuellen Musikschrank komplett umgeräumt vorfand. Vom Musikstreaming-Dienst Spotify so umsortiert, dass auch viele Klicks nicht mehr dorthin führten, wo vorher ein einziger genügte. Wie er sich auf schmerzhafte Weise von seinen Erinnerungen getrennt fühlte, von der Musiksammlung, die er mit besonderen Momenten in seinem Leben verband, den Titeln, die ihm wichtig waren.

Ob Fotos, Musik, Bücher – das scheinbar so einfache Leben im Digitalen, die scheinbar so hilfreichen „Dienste“ bringen, unter dem Mäntelchen der müheloseren Handhabung, Einmischungen und Enteignungen mit sich. Denn die Archive eines Menschen, darauf weist Kyle Chayka hin, bestehen immer auch im Raum – und sei es im virtuellen. Es waren seine Hände, die sich wie die eines Klavierspielers daran erinnerten, wo auf seinem Laptop er die Platte Yusef Lateefs fand, die er morgens so gern auflegte – auch wenn es keine „Platte“ mehr war und man auch von „auflegen“ nicht mehr sprechen konnte. Über Nacht waren seine Playlists „automatisch generiert“, er öffnete sie, erkannte nichts wieder, stieß auf Podcasts, die er sich selbst nie ausgesucht hätte.

Gibt es tatsächlich Menschen, die das eigenmächtige Umsortieren ihrer virtuellen Musikschränke und Bücherregale nicht als Ärgernis empfinden? Vielleicht als eine Variante der Solastalgia empfinden, des Gefühls des Verlusts angesichts der Zerstörung des vertrauten Lebensraums? Unsere Lieblingsplatten jedenfalls erkennen wir immer noch am Coverrücken, ziehen sie mit einem Griff raus, sind froh, dass wir sie noch haben.

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