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KI

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Von: Sylvia Staude

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Im Jahr 2023 lümmeln alle, die nicht Zugführerin oder Zugführer (die streiken nämlich) sind, weiterhin zu Hause rum. Wie schön, dass die VR-Brille dreidimensionale Versionen der Kolleginnen und Kollegen ins Haus holt.
Im Jahr 2023 lümmeln alle, die nicht Zugführerin oder Zugführer (die streiken nämlich) sind, weiterhin zu Hause rum. Wie schön, dass die VR-Brille dreidimensionale Versionen der Kolleginnen und Kollegen ins Haus holt. © Hugo Fuentes/imago

Wir und der sprechende Herd und das virtuelle Meeting im Jahr 2023.

Ein Tag im Jahr 2023, draußen fällt Starkregen.

„Willkommen zurück!“ ruft der Laptop gleich nach Anschalten – doch klingt er neuerdings nicht ein bisschen weniger euphorisch? Dann hätte er sich immerhin gemerkt – nachdem wir ihn zwei, drei Mal getreten haben, dass die Tastatur klapperte –, dass wir nach dem zweiten Starkregen des Tages und vor dem dritten Kaffee kein chronisch gutgelauntes Arbeitsgerät ertragen. Hat unsere Schreibmaschine einst geglaubt, sie müsse Konversation machen? Eben.

Trotzdem erinnert der Computer uns nun pflichtschuldig an das bevorstehende Meeting und daran, schon mal die VR-Brille bereitzulegen. Und dies bitte auch (hier wird er streng), obwohl uns letztes Mal mit der VR-Brille so schlecht geworden ist, dass er hinterher eine neue Tastatur brauchte. VR-Brille: zwar lümmeln auch im Jahr 2023 alle, die nicht Zugführerin oder Zugführer sind (und in ihrem mittlerweile 273. Streik), weiterhin zu Hause rum, doch treffen sich nur noch Ewiggestrige via Teams oder Zoom, schicken alle anderen ihre Avatarin oder ihren Avatar an einen runden Tisch im „Horizon Workroom“. Dort treffen sie nach Aufsetzen der Brille dreidimensionale Versionen ihrer Kolleginnen und Kollegen.

C.s Avatar trägt die Maske nicht wie C. unter der Nase, vielmehr trägt er gar keine Maske, denn er kann höchstens Computerviren verbreiten. G.s Avatarin nuschelt nicht. Und lächelt! Nicht nur M. und P. sehen aus wie frisch vom Friseur. A. und D. haben ihren Avatar offensichtlich zum Herrenausstatter geschickt – und man könnte meinen, dass sie ihn auch haben abnehmen lassen. Und sowieso sehen alle jünger aus.

Wir dafür im wahren Leben: älter. Viel älter.

6 Uhr 37: Die Zahnbürste mahnt uns, bitte gründlicher zu putzen. 6 Uhr 38: Wir werfen sie ins Klo. 6 Uhr 39: Wir holen sie wieder raus, sie war ja nicht billig. 6 Uhr 55: Im Kühlschrank liegen 16 Literpackungen Milch, von der KI des Geräts bestellt. Es gebe überhaupt keinen Grund, hat es uns wissen lassen, es deswegen so anzuschreien. Es habe es nur gut gemeint. 6 Uhr 56 bis 7 Uhr 23: Unser Frühstück besteht aus drei Litern Milch. Danach ist uns schlecht. 7 Uhr 44: Der Herd, leicht vorwurfsvoll: Ob wir meinen, er könne aus nichts als 13 Litern Milch ein Mittagessen zaubern? „Zaubern“? Dieser eingebildete Pinsel. 7 Uhr 45: Okay, antworten wir, bestelle die Zutaten für Spaghetti Carbonara. Wir haben noch nicht ausgesprochen, da räuspert er sich und weist - „in aller Bescheidenheit“, höflich ist sie ja, die KI - darauf hin, dass er grundsätzlich nur veganes Essen kocht. 7 Uhr 48: Wir schütten kochendes Wasser in seinen Rechner. Bereuen es sofort, denn jetzt wird er wieder tagelang schmollen.

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