Auch Menschen, die „Kevin – Allein zu Haus“ nicht gesehen haben, fällt es leicht, Bilder aus dem Film zu identifizieren.
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Auch Menschen, die „Kevin – Allein zu Haus“ nicht gesehen haben, fällt es leicht, Bilder aus dem Film zu identifizieren.

Times mager

Kevin

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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30 Jahre „Kevin – Allein zu Haus“. Ein Film, den man nicht kennen muss, um im Bilde zu sein.

Dass der Film „Kevin – Allein zu Haus“ am 16. November 1990, am heutigen Montag vor dreißig Jahren, in die US-Kinos kam, wirft erneut die Frage auf, weshalb man selbst ihn immer noch nicht gesehen hat. Größer als das Erstaunen ist freilich die Erleichterung darüber, in jener Zeit nicht schwanger gewesen zu sein. Die Folgen sind bekannt. Wobei jüngst in einem mittelmäßigen Fernsehkrimi so respektlos über einen jungen, ja, vermutlich bald 30-jährigen Mann namens Kevin gesprochen wurde, dass es schon ärgerlich war. In Nachbars Garten spielen längst Kevins Kinder, sie heißen Marlon, Marvin und Roger. Auch mit hessischem Einschlag sind das noch (oder im Falle von Roger sogar erst recht) klangvolle Namen. Kevin ist ein ehrenwerter Mann. Im mittelmäßigen Krimi entschuldigte sich der Privatdetektiv (ein Georg) später auch bei ihm. Es stimmt, dass unsereiner momentan etwas viel fernsieht, aber noch lange nicht „Kevin – Allein zu Haus“.

Eine Bildungslücke ist das nicht. Erstens fällt es auch Menschen, die „Kevin – Allein zu Haus“ nicht gesehen haben, leicht, Bilder aus dem Film zu identifizieren. Macaulay Culkin ist echt süß. Zweitens ist hierbei für berufliche Transferleistungen keine nähere Kenntnis des Inhalts erforderlich. Berufliche Transferleistung? Nun ja, Überschriften aus dem Bereich „Egmont – Allein zu Haus“, die fast so beliebt sind wie Überschriften aus dem Bereich „Der diskrete Charme der Pappnasen“. Sie verstehen das Prinzip, es wird Ihnen auch schon auf den Wecker gefallen sein. Jedoch muss man bei den vielen Überschriften, die das Berufsleben mit sich bringt, gewisse Vervielfältigungstechniken in Betracht ziehen.

Interessant übrigens, wie anders und allem Verständnis entrückt es sich bei einem weiteren Fall darstellt, der (vermutlich) heute ebenfalls Jahrestag hat. Vor 2062 Jahren nach 15 Uhr fand die zweite Schlacht bei Philippi statt (wenn es nicht schon ein paar Wochen früher war), bei der die Truppen des Cäsar-Mitmörders Brutus nachhaltig besiegt wurden. Schon Plutarch schrieb, dass Cäsars Geist dem Attentäter vorab ankündigte: „Bei Philippi sehen wir uns wieder.“ Durch Shakespeare, der sich das natürlich nicht entgehen ließ, nahm diese entmutigende Prophezeiung weiteren Schwung und trat zudem ihren Weg in die weiträumige Welt geflügelter Worte an. Hier konnte nun jeder Georg (aber auch jeder Kevin, wenn es ihn schon gegeben hätte) sagen: Bei Philippi sehen wir uns wieder. Lange ging das gut, bis die Leute ratlos stierten, weil sie nicht mehr wussten, was gemeint war. Das nächste Treffen, nichts weiter.

Ist auch schon wieder ein bisschen her: damals, als wir uns noch trafen, anstatt die ganze Nacht fernzusehen.

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