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Paul Maar, berühmt geworden durch das Sams, der sei ganz wunderbar, ganz anders als Christian Lindner.
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Paul Maar, berühmt geworden durch das Sams, der sei ganz wunderbar, ganz anders als Christian Lindner.

Times mager

Kern

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Wie Paul Maar auf Kinderbriefe antwortet und Christian Lindner – ach, das ist egal.

Kollege S. erzählte am Telefon, er habe Radio gehört, wie immer, denn Kollege S. hört sehr gerne Radio, wenn er nicht gerade am Telefon redet, aber wenn er redet, hört er nicht so schnell auf. Diesmal im Radio: Paul Maar.

Für das „Sams“, das Paul Maar bekanntlich berühmt gemacht habe, sei er eine Generation zu alt, sagte der Kollege S., wer lese schon kurz vor der Führerscheinprüfung Kinderbücher, aber der Maar, der sei ganz wunderbar, ganz anders als Christian Lindner, fügte der Kollege S. hinzu.

Offenbar selber überrascht und überwältigt von dieser Überleitung, machte der Kollege eine seiner seltenen Redepausen, wodurch sich die Gelegenheit zur Rückfrage ergab, was der Kinderbuchautor mit dem FDP-Vorsitzenden zu tun habe.

Eben gerade gar nichts, hob S. fast empört wieder an. Im Radio sei Paul Maar gefragt worden, wie er – was er immer tue – auf Kinderbriefe antworte. Manchmal, habe Maar gesagt, seien das sehr traurige Briefe, so nach der Art „Ich will, dass Papa von dieser doofen anderen Frau weggeht und wiederkommt“. Er antworte dann ungefähr so: Vielleicht komme der Papa wirklich nicht wieder, das sei natürlich sehr traurig. Aber vielleicht schaue das Kind einmal ganz tief in sich hinein, denn da gebe es einen festen Kern, den auch schlimme Erlebnisse nicht so leicht zerstören könnten, und aus diesem Kern könne trotz allem ein schönes, glückliches Leben wachsen, zum Beispiel als Kinderbuchautor.

Paul Maar, so der Kollege S., das müsse man wissen, habe als Baby die Mutter verloren und als Heranwachsender mit einem Vater zu tun gehabt, der nach Jahren der Kriegsgefangenschaft als frustrierter und autoritärer Mann heimgekehrt sei. Nur die zweite Frau des Vaters, also die Stiefmutter, die Maar „meine zweite Mutter“ genannt habe, sei wohl eine Art Anker für ihn gewesen. Und vielleicht noch der Opa.

So wie Maar das alles gesagt habe, sagte S., habe es ihn, S., tief berührt. Da sei nämlich eine Autonomie des Individuums aufgeschienen, zumindest als Sehnsucht, die dem tiefen Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit in vertrauter Gemeinschaft gerade nicht widerspreche. Ein tiefes Verständnis für die gegenseitige Bedingtheit von gesellschaftlicher Gebundenheit und individueller Entfaltung. Ein Gegenbild also zu jener Ideologie eines geradezu haltlosen Individualismus, die Gesellschaft nur als Schauplatz der Sportart „Jeder gegen jeden“ kenne.

Von Christian Lindner wolle er jetzt aber nicht weiter reden, sagte S. noch, er habe jetzt sowieso schon genug gequatscht, beim nächsten Mal werde er derjenige sein, der zuhört. Das glaubt natürlich niemand, aber es ist nicht schlimm.

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