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Die U-Bahnstation ist am Sonntag fast verlassen, nur wenige reisen mit der Bahn.
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Die U-Bahnstation ist am Sonntag fast verlassen, nur wenige reisen mit der Bahn.

Times mager

Keine Zufälle

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Sonntags-Bahnfahrer leiden unter den Hinterlassenschaften der Samstags-Bahnfahrer. Und statt nach Paris geht's nur in die heimische Stadtmitte.

Wohin die Reise geht? In nur dreidreiviertel Stunden, verspricht das Plakat der Bahn, ginge es nach Paris. Aber nein, dazu kommt es nicht, es fährt die U-Bahn nur in die Stadt. Es sind acht Minuten, na gut, wenn es hochkommt, sind es neun bis zur heimischen Stadtmitte.

Die U-Bahnstation ist fast verlassen, der Sonntag macht sie dazu, dass sie nur spärlich bevölkert (bebürgert) ist um die Sonntagsvormittagszeit. In Richtung Stadtmitte lacht ein „Elitepartner“ von der Werbeflächenwand, gleich neben den Fahrplänen. Stadtauswärts lacht eine „Elitepartnerin“ zurück, strahlend hinter Glas. Auf der Haltestellenbank, unmittelbar neben dem Fahrkartenautomaten, verzehrt ein Bürger zivil eine Brezel to go. Er schnippt die Krümel mit dem Fuß auf das U-Bahngleisfeld.

Nicht ganz so gut überstanden haben die Fahrkartenautomaten den Samstagabend und die Samstagnacht. Denn das Fahrkartendisplay ist betropft oder bespritzt worden. Na, was ist?

Wählte der Finger die Einfache Fahrt, würde die Fingerkuppe weiß. Wählte der Finger eine Tagesfahrt, nähme die Kuppe die Farbe gelb an. Noch sind, kündigt die U-Bahnuhr an, drei Minuten Zeit. Aber was ist, wenn der Finger vor dem Display zurückzuckt? Dann wird der Finger schwarz, dann fault der Schwarzfahrerfinger ganz bestimmt ab. Dann wird, wer keine Zeitkarte hat, die Untergrundfahrt zur Fahrt in die Hölle.

Wohin die Reise sonst noch geht? Ins Paradies. Denn bis zur U-Bahnankunft schauen Werbemenschen den Sonntagmorgenmenschen über die Schulter. Oder sie blicken sie auch von der Seite an. Von zwei Plakatmenschen sagt das Plakat, sie trieben es sonst schon bunt genug. Wegen dieser Vorgeschichte, die auf dem Plakat nicht zu sehen ist, zeigen sie sich jetzt urvernünftig. Vernunft nehmen sie an für ein Genussmittel.

Gleich nebenan verbringen ein Raucher und eine Raucherin den Sonntagvormittag in einer Badewanne. Aber das Plakat sagt auch, dass Rauchen die Gesundheit gefährde. Was wiederum das heißt, ist auf dem Plakat nicht zu sehen. Denn dem einen Werbeplakat fehlt die Vorgeschichte, dem Plakat gleich nebenan der Epilog. Noch kommt den Rauchern in der Badewanne nicht das Nikotin zu den Ohren heraus, sondern nur Schaum.

Gut überstanden haben den Samstagabend und die Samstagnacht zwei Oberlippen und zwei Unterlippen. Nichts wird in der Werbung dem Zufall überlassen, so auch hier. Sie zoomt heran. Vier Lippen küssen sich auch an diesem Sonntagvormittag so lange, bis die U-Bahn kommt.

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