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Times Mager

Keine Zeit

Keine Zeit, Zeitung zu lesen! Das hört man nicht gerne, wenn man bei einer Zeitung arbeitet. Vor ein paar Tagen hörte ich diesen Satz aus dem Mund von einem der erfolgreichsten Manager der Republik. Von Arno Widmann

Keine Zeit, Zeitung zu lesen! Das hört man nicht gerne, wenn man bei einer Zeitung arbeitet, wenn man sie gar vollschreibt. Man neigt dazu, sich auf die Hunderttausende hinauszureden, die immer noch die Zeit finden, eine oder gar mehrere Zeitungen zu lesen. Vor ein paar Tagen traf mich dieser Satz aber doch sehr. Einer der erfolgreichsten Manager der Republik erklärte, er habe die Woche über keine Zeit mehr, Zeitung zu lesen. Allenfalls am Wochenende käme er dazu, sich mit dem einen oder anderen Artikel zu beschäftigen. Sollte das der Trend sein, wäre es fatal. Der Mann hat ja nicht gesagt, dass er statt Zeitungen etwas anderes lese, um sich über den Gang der Weltgeschichte zu informieren.

Er erklärte, er müsse knapp und klar informiert werden. Er brauche Fakten, keine Meinungen. Der Mann ist verloren. Die Illusion, alles Wissen dieser Welt lasse sich in Sieben-Wort-Sätzen mitteilen, verkennt die Lage. Das ist das Weltbild eines Schülers, der erwartet, von seinen Lehrern abgefüttert zu werden mit den Kenntnissen, die er bei der Prüfung wieder ausspucken soll.

Es ist nicht die Haltung eines Menschen, der die Welt begreifen möchte, um auf sie einwirken zu können. Wer selbst eingreifen will, der muss auch selbst analysieren. Sonst weiß er nicht, wo er am besten, am geschicktesten, am ökonomischsten eingreifen kann. Wenn Herren in Führungspositionen glauben, das Lernen delegieren zu können, dann ist der Abstieg programmiert. Nicht unbedingt der eigene, aber doch der der Firma. Ein Eigentümer kann sich aufs Entscheiden beschränken. Wer aber das tägliche Geschäft zu machen hat und darüber hinaus auch noch Strategien entwerfen soll, der braucht Zeit. Und er braucht Abstand.

Man braucht dazu keine Zeitung. Aber eine Elite, die keine Zeit hat, ist keine Elite. Hinter den von anderen aufgetischten Analysen herhecheln, sich darauf beschränken, lässig in vom persönlichen Assistenten zusammengestellten Unterlagen zu blättern, das schafft keine Klarheit im Kopf. Das macht nicht fit für den Konkurrenzkampf. Nur wer sich selbst einen Kopf macht, hat eine Chance schlauer zu werden. Wer dazu sich keine Zeit nimmt, der stiehlt sie uns.

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