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Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert.
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Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert.

Times mager

Keine Tassen mehr im Schrank

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Leute haben nicht mehr alle Tassen im Schrank. Bemerkungen zu einem Büro-Problem und zum „Kein-schmutziges-Geschirr“-Tag.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, benutzte Teller und Tassen gehören nicht auf die Spüle! Da wir keinen Küchendienst haben, muss jeder sein Geschirr in die Geschirrspülmaschine einräumen. Bitte künftig auch darauf achten, Essensreste vor dem Einräumen von Tellern und Schüsseln zu entfernen, damit Sieb und Pumpe nicht erneut verstopfen!“

Sie lasen einen Hinweiszettel, Format DIN A4, mit drei Sätzen und zwei Ausrufezeichen. Nach Abschluss einer circa dreijährigen Testphase freut sich die Frankfurter Rundschau, hier und heute verkünden zu können: Es handelt sich um den Hinweiszettel, der die größte Wahrscheinlichkeit bietet, dass direkt unter ihm benutzte Teller und Tassen auf der Spüle abgestellt werden, dick verkrustet mit Essensresten.

Wer je in einem Büro zu dienen das Privileg hatte, wird dem Phänomen des achtlos abgestellten Schmutzgeschirrs so sicher begegnet sein wie dem seit zwölf Jahren abgelaufenen Frischkäse. Manche arrangieren sich, etwa der Aphoristiker Ulrich Erckenbrecht, geboren 1947 („Schmutziges Geschirr sollte man dahingestellt sein lassen“). Andere versuchen es bis zur Verrentung mit Gewalt („Tassen nicht in der Spüle abstellen!!!“), Ironie („Der Geschirrspüler beißt nicht“) oder Sarkasmus („Bedienung der Spülmaschine für Männer verboten“).

Schon länger bekannt ist der Umstand, dass in Büroküchen ein groteskes Missverhältnis herrscht zwischen sauberen Gläsern, scharfen Messern (beides inexistent), stumpfen Messern (vorhanden, wenn jemand gerade die Spülmaschine ausgeräumt hat, vermutlich der Heilige Geist), hässlichen Tassen und tiefen Tellern (bis zum Platzen des Hängeschranks vorhanden). Falls Forscher an einer Studie darüber arbeiten, wird sie ziemlich sicher belegen, dass die hässlichen Tassen und tiefen Teller früher in Schrebergartenkolonien endgelagert wurden, ehe Schrebergartenkolonien unter achtlos abgelegten Umgehungsstraßen und Neubaugebieten verschwanden.

Geträumtes Geschirr weise auf Streitereien in der Familie hin, prophezeit das „Lexikon der Traumdeutung“ (Internet); seien die Händel noch nicht offenkundig geworden, müsse man sich nun darauf gefasst machen. Eine große Menge Geschirr verheiße jedoch baldige Hochzeit, denn „aus einer Tasse wird meist etwas Heißes getrunken, deshalb interpretiert die psychologische Traumdeutung die Tasse im Traum als ein Zeichen für Leidenschaft bzw. heiße Gefühle“. Ah ja.

Der 18. Mai ist „Kein-schmutziges-Geschirr“-Tag (USA). Bis dahin gilt der alte Lehrsatz: Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert.

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