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Vorsicht, spanische Wegschnecke.

Times mager

Kein Spanier

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Wir entschuldigen uns hiermit bei der Spanischen Wegschnecke. Wohingegen die Wasserfledermaus nicht daran denkt, die Autofahrer auf der B91 bei Merseburg um Verzeihung zu bitten.

Immer dasselbe. Keiner findet sich, aber einer muss es ja machen. Und deshalb machen wir das jetzt hier: „Entschuldigung!“

Nicht bei den deutschen Fußballern und Oliver Bierhoff wegen der Spielerfrauen, die nie im Hubschrauber ins Campo Bahia zu ihren Kerlen geflogen wurden. Das haben wir auch nie behauptet, sondern das ZDF, weswegen sich Frau Müller-Hohenstein nun entschuldigt hat, weil die Sache nicht stimmte, dafür aber einen Shitstorm ausgelöst hatte. Nein, an dieser Stelle ist eine Entschuldigung an Spanien fällig wegen 50 Jahren Rufschädigung. Die Spanische Wegschnecke, ein schleimiger Feind jedes Gärtners, hellbraun, glitschig, gefräßig, zerstörerisch, kurz: unangenehm in Erscheinung und Auftreten, kommt nicht aus Spanien. Sie kommt von irgendwoher. Aber nicht aus Spanien.

Das haben Biologen der Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit Hilfe hunderter DNA-Untersuchungen herausgefunden. Bislang dachte man in Deutschland, das unangenehme Weichtier sei irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Gemüsekiste aus Spanien eingewandert mit dem Plan, häufigste Schneckenart in Deutschland zu werden. Der Plan ist aufgegangen. Aber es war kein Spanier.

Im Tierreich ist das unüblich

Erledigt. Entschuldigung abgehakt. Andersherum sind Entschuldigungen aus dem Tierreich unüblich, obwohl hin und wieder angebracht. Die Wasserfledermaus etwa, die ihren Namen trägt, weil sie gerne im Tiefflug übers Wasser saust, hat gerade die Bundesstraße 91 bei Merseburg in Sachsen-Anhalt lahmgelegt. Dort soll eine neue Brücke gebaut werden, aber in der alten haben sich Wasserfledermäuse niedergelassen. Und deshalb darf nichts abgerissen werden, bis ein Biologe geklärt hat, ob man die Tiere umsiedeln kann.

Bis dahin ruht der Bau, der Autofahrer macht ein langes Gesicht, die Wasserfledermaus, was sie will. In Dresden, um das noch zu erzählen, hätte ein Verwandter, die Kleine Hufeisennase, fast den Bau der Waldschlösschenbrücke verhindert. Die winzige Fledermaus zog mithilfe einiger Umweltschützer vor Gericht, das Gericht entschied – und die Brücke wurde gebaut, allerdings mit ein paar Korrekturen, zum Beispiel gewaltigen Hecken am Ufer, die der Fledermaus den rechten Flugweg weisen sollen.

Bis heute, so wird es in Dresden erzählt, ist dort unten noch nie eine Hufeisennase gesehen worden, die durch den Heckenkorridor segelt. Es soll dort überhaupt noch nie eine Kleine Hufeisennase gesehen worden sein.

Wofür sie sich eigentlich entschuldigen müsste. Wegen all des Aufwands und so.

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