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Ein Unfall im regen kann ein guter Weg sein, zum nützlichen und erfolgreichen Mitglied unserer Gesellschaft zu werden.
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Ein Unfall im regen kann ein guter Weg sein, zum nützlichen und erfolgreichen Mitglied unserer Gesellschaft zu werden.

TIMES MAGER

Kein Problem

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Der moderne Mensch schimpft nicht mehr, er spricht von einer Herausforderung.

Jetzt nur mal angenommen, Ihr Kleiner geht im Regen von der Schule nach Hause. Neben ihm fährt ein Auto durch eine Pfütze, das dreckige Wasser spritzt ihm die Kleidung voll, er will zur Seite springen, rutscht aus, bricht sich ein Fingerchen. Kurz danach geht bei Ihnen die Tür, der Kleine ist da, Sie rufen „Na, wie war’s?“, und er: „Herausfordernd.“

Das Kind befindet sich auf einem guten Weg, zum nützlichen und erfolgreichen Mitglied unserer Gesellschaft zu werden. Sie werden denken: Warum sagt er nicht „schmerzhaft“ oder „ein Schlamassel“, warum nicht „schrecklich“ oder „schlimm“? Weil es so etwas nicht mehr gibt! Wer heute mitreden, also zum Beispiel ein Unternehmen leiten will, kennt keine Probleme, sondern „Herausforderungen“: Zweitausendzwanzig, sagt der Chef der Lufthansa, sei „das herausforderndste Jahr in der Geschichte unseres Unternehmens“ gewesen.

Merken Sie, wie viel schöner das klingt als „fürchterlich“, „katastrophal“ oder „desaströs“? Spüren Sie nicht, wie altmodisch Sie sind mit Ihrer Vorstellung, die Lufthansa oder Ihr Sohn hätten ein „Problem“, nur weil die eine ökonomisch abgestürzt und der andere physisch gestürzt ist? Seien Sie stolz, wenn der Kleine auf seinen geschwollenen Finger zeigt und sagt: „Ich denke, ich habe da ein Thema, das wir angehen sollten.“ Von wegen Problem.

Fahren Sie mit dem Kind zum Notarzt, fragen Sie nach den Heilungschancen, und wenn der Mann mit Blick auf das zertrümmerte Fingerchen so etwas wie „schwierig, schwierig“ sagt, dann korrigieren Sie ihn, bevor Ihr Sohn es tut: „Voraussetzungsvoll.“

Ja, so leicht schafft Sprache das Böse aus der Welt, so schön transformiert sie noch die ärgste Diagnose in einen erfreulichen Ansporn zur Therapie. Aber glauben Sie bitte nicht, die nützlichen Mitglieder der Gesellschaft lebten voll und ganz sorgenfrei. Tag für Tag, Woche für Woche leben sie in Angst vor dem Einbruch.

Nicht was Sie jetzt denken, um Raubdelikte im engeren Sinne geht es hier nicht. Es ist vielmehr so: Wenn eine Firma wie, sagen wir, Ströer, im einen Jahr 570 Millionen Euro Gewinn macht und im nächsten 465 Millionen, dann schreibt das „Manager-Magazin“, der Gewinn sei „um 20 Prozent eingebrochen“. Und wenn Sie Ihrem Sohn zum Beispiel einen Euro Taschengeld geben, aber der Preis für den Schokoriegel steigt von 80 auf 85 Cent, dann hat der Junge statt 20 nur noch 15 Cent übrig. Was soll er schon sagen? „Meine Rücklagen sind um ein Viertel eingebrochen.“

Und wissen Sie, was der Chef von Ströer sagt? Richtig: Auch der Start ins neue Jahr sei „herausfordernd“ gewesen.

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