Ziel und Endzweck aller Geschichte war für Hegel die Garantie der Freiheit, der allgemeinen Freiheit wie die Freiheit aller.
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Ziel und Endzweck aller Geschichte war für Hegel die Garantie der Freiheit, der allgemeinen Freiheit wie die Freiheit aller.

Times mager

Kein Ende

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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So berühmt wie berüchtigt: Hegels Gedanke über das „Ende der Geschichte“. Hegelgemäß wurde er nicht hingenommen, sondern dagegen Widerspruch erhoben.

So aufgeklärt wie abgeklärt diejenigen Hegelleser, die sich sagen können, dass das Ende der Geschichte also noch auf sich warten müsse. Aber wieso „also“? Weil sie Hegel so verstehen, dass der Autor es mit dem Gedanken vom Ende der Geschichte nicht so unumstößlich gemeint habe, anders als es ihm nachgesagt wurde. Nur nachgesagt wurde?

Im Jahr 1830 „oder darum herum“, so schrieb unnachahmlich Ernst Bloch, „hört für Hegel Geschichte auf“, weil sich der „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ (Hegel) vollendet habe. Zeitlich in der Hegelzeit, darüber hinaus vor Hegels Haustür, im Berlin Preußens. Der marxistische Hegelleser Bloch hielt dagegen, dass die „Weltzeit um 1830 nicht in Pension“ gegangen sei – unübersehbar. Wie ja überhaupt festgehalten werden müsse, dass eine historische „Unzuträglichkeit“ vorliege ebenso wie gedanklich eine „Unverträglichkeit“. Hegel, der Geschichte stets als Geschehen, als lebendigen, widerspruchsvollen Prozess gedacht habe, der sich nicht habe still stellen lassen, betätige sich als „Reichsverwalter der Geschichte“.

Hegels Gedanke vom Ende der Geschichte hat Hegelleser zum Widerspruch herausgefordert. Halt hegelgemäß reagieren lassen. Denn so sehr für Hegel die Freiheit in der bürgerlichen Gesellschaft zu sich selbst gefunden habe, so war damit das Ende der Weltgeschichte wahrhaftig nicht erreicht. So sehr Hegels Weltanschauung vom Gang der Geschichte auf einem in sich geschlossenen System beruhte, so war es doch eine Entwicklung der permanenten Unruhe, nicht des sich steigernden Glücks, sondern der nicht abreißenden Gegensätze. Als Denker in Widersprüchen war dem Widerspruchsgeist bewusst, dass sich der Widerstreit nicht aufheben lässt, die Antagonismen nicht auflösen lassen, nicht das Verhältnis von Subjekt und Objekt, nicht das von Ich und Natur, nicht das von Staat und Gesellschaft – wie schließlich auch das „Absolute“ schlechthin nicht als toter Punkt zu denken sei, im Gegenteil. Auch im Absoluten rumore die Ruhelosigkeit.

Ziel und Endzweck aller Geschichte war für Hegel die Garantie der Freiheit, der allgemeinen Freiheit wie die Freiheit aller. Für den Gang der Geschichte bedeutet das, dass mit der Freiheit, wie Hegel sie in seinem Preußen verwirklicht sah, ein Stadium erreicht war. Ein historisches Plateau – kein Zustand der Perfektion. Hegel verstand seine Vision der Freiheit nicht als spekulative Verheißung, sondern als soziale Herausforderung. Nicht als eitler Egoismus und selbstbezüglicher Ehrgeiz, sondern als Verwirklichung von Sittlichkeit und Vernunft. Insofern kein Ende in Sicht, auch nicht mit Hegels Zeitgenossenschaft - sie ist halt hypermodern und hochaktuell.

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