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Dichter John Keats (1795-1821) starb im Alter von 25 Jahren.
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Dichter John Keats (1795-1821) starb im Alter von 25 Jahren.

Times mager

Keats

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Vor 200 Jahren ist der Dichter John Keats gestorben, nur 25 Jahre alt.

Heute vor 200 Jahren starb in Rom der tuberkulosekranke englische Dichter John Keats, und dass er nur 25 Jahre alt war, ist ein Elend, das sich über die Zeit nicht relativiert hat und außerdem jeden beschämen muss, der in der doppelten und eigentlich dreifachen Zeit – da nicht einmal Keats in der Wiege gedichtet haben wird – keinen diskutablen Vers zustande brachte.

Nun ist das Lamento in auswegloser Lage Keats’ ureigenes Terrain. Die „Ode an die Melancholie“ fährt zwar alles Morbide auf, was sich denken lässt, aber nur, um zu einem unverdrossenen Umgang mit der Melancholie zu raten und sich nämlich gerade der Schönheit zuzuwenden, wenn man betrübt ist, „Schönheit, die vergeht“, aber jetzt ist sie doch da.

Keats bekam Lob, aber nicht nur. Legendär zwei Verrisse des Langgedichts „Endymion“ (1818). Hat ihn das zu Tode gekränkt? Wohl kaum. Seinem Bruder schrieb er, er glaube trotzdem, dass er als englischer Dichter überleben werde. Auch, so die Forschung heute, sei TBC eine wirklich ausreichende Todesursache.

Seine Freunde in Rom hingegen empfanden melodramatischer, als es um die Grabinschrift ging (für den protestantischen Friedhof, wo neun Jahre später August von Goethe begraben wurde). Keats selbst hatte seinen Vertrauten Joseph Severn um diese Zeilen gebeten: „Hier liegt einer, dessen Name in Wasser geschrieben war.“ Das klingt auf Englisch übrigens schöner. Den Freunden war das aber nicht genau genug (ja, genau: genau ist es nicht, das wird in Keats’ Absicht gelegen haben), also schrieben sie eine Intro: „In diesem Grab liegen die sterblichen Überreste eines jungen englischen Dichters, der auf seinem Totenbett in der Bitterkeit seines Herzens und angesichts der boshaften Macht seiner Feinde sich diese Worte auf seinem Grabstein wünschte: Hier liegt einer (…) 24. Februar 1821.“ Stimmt, das Datum ist falsch. Das nimmt Redakteurinnen für Severn ein, deren Fehler zwar nicht in Stein gemeißelt sind, aber in der Zeitung stehen. Die un-keatshaft jammerige Inschrift insgesamt überzeugte Severn später auch nicht mehr. Er machte einen (nicht realisierten) neuen Vorschlag, das Todesdatum diesmal: 20. Februar.

Wer sich auf diesen Tag einigermaßen vorbereitet hat, sieht sich heute Abend also Jane Campions Film „Bright Star“ mit Ben Whishaw als Keats an („der Film beruht auf wahren Begebenheiten“). Die anderen werden versuchen, die Theateraufführung von Pelé Cox’ Keats-Stück „Lift Me Up I Am Dying“ im Internet zu erwischen. Es gibt hierfür verschiedene Zeitangaben, alle um die Sterbestunde, 23 Uhr MEZ, herum. Ja, alles bleibt vage, und treffend ist am Ende nur, dass unsere Namen in Wasser geschrieben sind.

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