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Um die Zickzackgebirgslandschaft in der Nähe der Loreley sind alle Orte nur einen Katzensprung voneinander entfernt.
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Um die Zickzackgebirgslandschaft in der Nähe der Loreley sind alle Orte nur einen Katzensprung voneinander entfernt.

Times mager

Katzensprung

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Vor 200 Jahren war es nicht anders als heute: Alles ist nur ein Katzensprung entfernt - gerade die Loreley.

Alles bloß ein Katzensprung, das war vor 200 Jahren nicht anders als heute, und das sage ich mir, sagt er, schon seit gut und gerne 50 Jahren. Das sage er sich nämlich seit den Anfängen seiner Beschäftigung mit der Loreley. Denn es sei, deutet er mit dem Finger aus dem IC-Fenster hinaus, nun mal nicht zu übersehen: Die Orte um sie herum, den Rhein hinauf, den Rhein hinunter, lägen fast alle in Sichtweite, trotz der Zickzackgebirgslandschaft, hier im Mittelrheintal. Gar keine Entfernungen seien das für den Reisenden heute, sagt der Bahn-Reisende, aber wie habe wohl vor 200 Jahren ein Katzensprung ausgesehen?

So stellt der IC-Reisende die Frage in den Raum. Und sein Gegenüber auf der Loreleystrecke seit gut einer halben Stunde bestätigt, das seien wohl gar keine Entfernungen, damals wie heute nicht, wobei gar keine Entfernung, wenn er das so sage, damals erheblich mehr Zeit in Anspruch genommen habe als heute. Der Zeitaufwand für einen Katzensprung sei damals deutlich höher gewesen, und zwar erheblich höher, rechnet er vor, er behaupte mal, zwanzig Mal höher, auch hier, zwischen Bacharach und Oberwesel. Doch kein Mensch wusste von dem gemessen an heute immensen Aufwand, woran man gut erkenne, dass die Zeit eine feste, eine absolute Größe sei, das Zeitempfinden aber keine, sondern eine relative. Im Grunde gehe das Zeitgefühl, sagt der IC-Reisende mit dem Zeitgeist, denn von Beschleunigungsanhängern werde das Zeitempfinden vollkommen anders bewertet als von Entschleunigungsanhängern.

Momentemal, sagt der Mitreisende (der Gegenübersitzende).

Sollte man als Zeuge dieser IC-Großraumwagenszene den Eindruck gewonnen haben, der eine Reisende denke für den Zuhörer womöglich zu rasant oder auch riskant, so trügt der Eindruck. Vielmehr nimmt der Gesprächspartner den Faden auf: Katzensprung, das sei zweifellos eine kühne Vorstellung, ein griffiges Bild, hier A, dort B (dazu tippt er auf die IC-Tischplatte). Was sollte zielgerichteter vonstatten gehen als ein Katzensprung? Eben!, die Frage beantworte sich von alleine, ergänzt er. Allerdings sei auch klar, dass der Katzensprung keine Abstecher erlaube. Der umweglose, abstecherabstinente Katzensprung sei, sagt der Reisende, eine vollkommen unromantische Form der Fortbewegung und Distanzüberwindung.

Und der Zuhörende, aufgerufen, diesen Gedanken seines Gegenübers nicht einfach im Großraumwagen stehen zu lassen, betont, dass er verstehe! Deshalb sei es zur Loreley zu keiner Zeit auch nur ein Katzensprung gewesen.

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