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Das gibt Muskelkatze.
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Das gibt bestimmt Muskelkatze.

Times mager

Katze

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Die Abfolge mongolischer Herrscherdynastien? Die Frage, ob Eier tanzen können? Kein Problem für den Kollegen G.

Der Kollege G. ist beruflich schon länger nicht mehr aktiv, aber er bleibt natürlich unvergessen und ist, wie er gerade mailt, ein „Vielleser“ bis heute. So einer, den viele Menschen leichtfertig als „Altlinken“ bezeichnen würden, fast ein bisschen abschätzig, und zwar vollkommen zu Unrecht.

Kollege G. war und ist frei von Dogmen, und sein Glaube an Recht und Gerechtigkeit machte niemals Halt vor denjenigen, die nach dogmatischer Lesart „auf seiner Seite“ verortet worden wären, zum Beispiel vor Regimen, denen der bis zum Zynismus denkfaule Flügel der 68er viel zu lange die Treue hielt. Nicht der Kollege G.

Kollege G. war so etwas wie die redaktionsinterne Kantinen-Enzyklopädie. Wenn er am Tisch über winzige Details der bremischen Geschichte oder die Abfolge mongolischer Herrscherdynastien plauderte, nicht ohne unwillkürlich ein paar Wörter aus nie gehörten Sprachen einzustreuen, verstanden wir Jüngeren schnell, was für ein außergewöhnliches Hirn sich hinter der Aura eines „zerstreuten Professors“ verbarg. Auch wenn wir sonst nicht viel verstanden. Kollege G. aber ließ uns seine Überlegenheit nie spüren, und wenn er fragte, ob wir dies und das nicht auch in diesem oder jenem Buch eines noch unübersetzten chinesischen Religionsphilosophen gelesen hätten (das Beispiel ist nur leicht übertrieben), dann war das keineswegs mit der „Ich weiß mehr“-Attitüde verbunden, die weniger souveräne Bildungsmenschen an sich haben. Er tat, was die wahrhaft Überlegenen tun: Er fühlte sich nicht überlegen.

Und so ist es noch heute, wenn der Kollege G. sich meldet. Einen Kommentar aus der Zeitung zu gewissen Machtkämpfen in einer deutschen Volkspartei aufgreifend fragt er: „Nützt all dies, zusammen mit den Covid-19-Eiertänzen, am Ende der AfD?“ Und er fügt, ein Times mager aus der Zeitung aufgreifend, hinzu: „Können übrigens Eier wirklich tanzen?“ Ja, Humor ist nicht verboten in düsteren Zeiten, er hilft.

In dem Times mager ging es unter anderem darum, dass es sich bei einem Flusslauf im Gegensatz zum Waldlauf nicht um eine sportliche Übung handelt, und auch hierzu hat Kollege G. noch etwas beizutragen. Eine Bekannte aus Japan, berichtet er, „sprach ausgezeichnet Deutsch, brachte aber gelegentlich auch ihre japanische Denkweise in das Gespräch ein“, zum Beispiel während eines kleinen Erfahrungsaustauschs über Sport: „Nach dem Waldlauf hatte ich tüchtig Muskelkatze!“

„Das war 20 Jahre v. G. (= vor dem Gendern)“, fügt Kollege G. hinzu, und seien Sie sicher: Der Mann hat nichts gegen das Gendern, er besitzt lediglich die Gabe der feinen Ironie. Danke, Karl!

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