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Eichhörnchen können ganz schön hinterlistig sein.

Times mager

Katz & Maus

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Haben sie schon was geahnt, die Enten, die mitten in Venedig ungestört brüten? Die Feuilleton-Kolumne.

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch: ein Sprichwort, dessen Katzen- (bzw. Kater-)Rolle Kommentatoren schon auf Gerhard Schröder (etwa auf USA-Reise), den einen oder anderen Fußballtrainer, nicht wenige Firmenchefs, selbstverständlich auch Angela Merkel (u. a. in Indien) zu passen schien. Dies ungeachtet der Tatsache, dass die jeweils angeblich Tanzenden (Dribbelnden?) ebenfalls der Art Homo sapiens angehörten. Aber das weltweite Netz weiß das Sprichwort dehnbar zu erklären: „Sagt man dafür, dass die Abwesenheit desjenigen, der sonst das Sagen hat oder die Dinge bestimmt, von den anderen oft ausgenutzt und in dieser Situation vor allem im eigenen Interesse gehandelt wird.“

Nun kann eine Abwesenheit, wie wir in diesen Tagen feststellen müssen, auch andersherum funktionieren: Die Katze ist im Haus eingeschlossen, draußen tanzen die Mäuse, tanzen die Eichhörnchen, Mücken (ohne dass dauernd eine Katze, äh, ein Mensch nach ihnen schlägt), draußen steppt der (Wasch-)Bär, übt das Wiesel den Wiegeschritt, die Elster Streetdance, macht die Ente mit der Amsel den Pogo.

Denn wie, liebe Verschwörungstheoretiker, ließe sich sonst erklären, dass alles, was vier Beine und mehr hat, was außerdem nicht Homo sapiens ist, einem neuerdings ein wenig, nun ja, übermütig vorkommt? Die Mäuse (Marder, Mist- und Maikäfer, Marsupials …) wittern eine Chance, ihre Chance und beschließen auf der ganzen Welt, sie zu nutzen. Zum Beispiel scheuen sich Eichhörnchen nicht, eine 80-Jährige unter Vortäuschung einer Party aufs Dach ihres Hauses zu locken, wie Margaret Atwood im Tagebuch einer „exzentrischen Selbstisolierten“ erzählt (und anderen Großmüttern ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfiehlt, also das Aufs-Dach-Klettern).

Die werden doch einen Grund gehabt haben, die Eichhörnchen. Die müssen was gewusst haben. Wie auch die Enten, die mitten in Venedig, an der Vaporetto-Anlegestelle Piazzale Roma, ein Nest bauten und nun dort brüten, unter dem fürsorglichen Schild „Bitte treten Sie nicht auf die Enteneier“. Man könnte meinen, sie ahnten vor Wochen schon, dass sie auch noch Zeit haben werden, ihre Küken großzuziehen. Womöglich stecken sie mit Covid-19 unter einer Daunendecke. Kormorane, Eisvögel und sogar Fische - Fische! - wurden an und in Venedigs Kanälen gesichtet.

Am leichtsinnigsten aber sind die Insekten, sie stürzen sich auf Windschutzscheiben, als gäbe es kein Morgen und müssten sie sich keine Gedanken mehr über Menschen auf Reisen machen.

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