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Gipsarm tragen gehört nicht zu den schönen Seiten des Lebens.
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Gipsarm tragen gehört nicht zu den schönen Seiten des Lebens.

Times mager

Kasper

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Regelmäßig lockt der Kasper Kinder vor den Fernseher und das nur aus der Hoffnung nochmal einen Blick auf ihn zu erhaschen.

Verrichtungen, die Spaß machen, wenn man zufällig gerade Zeit dafür hat und nicht durch widrige Umstände dazu gezwungen ist: Zwieback essen. Schluckauf. Auf einem Bein hüpfen. Zähne putzen mit links. Kopfstand. Eine fast leere Meerrettich- oder Tomatenmarktube aufwickeln, um nach dem Haltbarkeitsdatum zu schauen. Die Mindesthaltbarkeit ist immer am Tubenende in die Falz eingestanzt, also an einer Stelle, die man als überzeugter Meerrettich- oder Tomatenmarktubenwickler schon nach kürzester Zeit nicht mehr sieht.

Niesen. Ein Auge verbinden. Im Bus vor jeder Haltestelle den Stopp-Knopf drücken. Kopfstand ohne Hände länger als eine Sekunde. Ein Auge verbinden und Federball spielen. Wettrennen auf den Knien. Draußen übernachten. Alle Haare nach vorn kämmen. Männer sind in der Lage, auf Anhieb drei bis sieben Körperstellen zu nennen, an denen sie ohne weiteres auf Haare verzichten könnten. Wo fallen die Haare aus? Auf dem Kopf. An den übrigen sieben Stellen wachsen sie wie Kraut. Erst hat man kleine Ohren und viele Haare, um sie zu verdecken (je nach Frisurenmode), aber je älter man wird, desto riesiger die Ohren und desto verschwundener die Haare.

Hinter Gittern übernachten. Zwei Augen verbinden, dann in die Küche gehen und ein Erdbeermarmeladebrot schmieren (mit Butter). Kopftuch tragen. Zu viert in Opas Rollstuhl den Monte Scherbelino runter. Gipsbein tragen. Gipsarm tragen. Luft anhalten. Gipsnase. CD-Hülle mit bloßen Händen öffnen. Der Mensch ist zu vielem imstande, aber nicht dazu, die Schutzfolie einer CD ohne Hilfsmittel in einem angemessenen Zeitraum zu entfernen. Am besten geht es mit dem kleinen Messerchen aus dem Fliegenfenstergitter-Selbstbau-Set. Mit den Fingern kriegst du die neuste CD deines Lieblingskünstlers erst auf, wenn der Künstler schon wieder die allerneuste veröffentlicht hat. Aber bis dahin bleibt die neuste schön frisch, denn sie ist in Folie eingeschweißt.

Telefonzellen auf der Fahrt in die Ferien zählen (veraltet). Postkästen auf der Fahrt in die Ferien zählen (dito) oder Kühe (Kühe!). 1-Cent-Münzen zu je 50 Stück in Papier rollen. Brei essen. Brei mit der Gabel essen. Apfelsine schälen. Fenster putzen. Times mager schreiben. Alte Folgen „Zum Blauen Bock“ im Fernsehen schauen. Einmal tauchte unverhofft der Kasper in der Kulisse des „Blauen Bocks“ auf. Danach gelang es den Erwachsenen regelmäßig samstags, das arglose Kind 90 Minuten lang aufs Sofa vor den Fernseher zu locken mit der substanzlosen Behauptung, bestimmt komme gleich der Kasper wieder. Nie wieder kam der Kasper. Nie mehr.

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