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Preisdumping könnte die Verhältnisse im deutschen Haus wie ein Kartenhaus aussehen lassen.

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Kartenhaus

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Für Architekten gilt künftig, was für andere Branchen auf einem deregulierten Markt Marktgesetz ist. Preisdumping könnte da einiges ins Wanken bringen.

Die deutsche Baukultur werde Schaden nehmen, hat soeben der Präsident des Bundes Deutscher Architekten, Heiner Farwick prophezeit, kaum dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) sein Urteil gefällt hatte. Farwick argumentierte mit kulturellen Standards, während der EuGH auf das Konkurrenzprinzip von Architekten und Ingenieuren in Deutschland fokussiert war. Die Kritik der Luxemburger Richter kam nicht unerwartet, seit vier Jahren wurde damit gerechnet. Dass sie kompromisslos ausfiel, kann man daran ersehen, dass der EuGH die deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure gekippt hat. Was man halt so kippen nennt. Den verbindlichen Honorarregeln im deutschen Haus, seit 1977 festgelegt in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure), wurde ein Riegel vorgeschoben.

In der Konsequenz wurde der Konkurrenz, nun ja, Tür und Tor geöffnet. Honorare können, anders als bisher, ohne Ober- und Mindestgrenze vereinbart werden, die bisherigen Vorgaben für solche Honorarsätze bei Planungsleistungen seien gesetzeswidrig. Die Folgen sind absehbar – womöglich noch nicht unmittelbar, während der derzeitigen Boomzeiten für Architekten und Ingenieure, doch sobald die Konjunktur schwächelt, wird sich der Preiskampf verschärfen, ein Preiswettbewerb, der zu Lasten der kleineren Büros gehen wird.

Farwick hat bereits seine Zweifel geäußert, dass fortan „mehr rumänische, polnische oder portugiesische Büros hier bauen werden.“ Anderseits ist der „deutsche Architekturmarkt“ (Farwick) dermaßen internationalisiert, so dass zunehmend weitere Global Player auf ihn drängen werden. Darunter nicht nur die mit Namen und Anschrift bekannten Prominenten der Branche, die Gehry, Foster oder Koolhaas, vielmehr wird es sich um anonyme Bauträger und Generalplaner.

Unübersehbar, dass fortan auch für den Berufsstand der Architekten gelten soll, was längst für andere Branchen auf einem deregulierten Markt Marktgesetz ist. Allerdings ist zu den von Farwick angesprochenen kulturellen Dimensionen zu sagen, dass die Richter erklärten, Mindestsätze könnten zwar grundsätzlich dazu beitragen, eine hohe Qualität bei Planungen zu gewährleisten, durchaus im Interesse des Verbrauchers. Zugleich wiesen die Richter darauf hin, in Deutschland hätten die Mindestsätze nur für Architekten und Ingenieure Geltung. Entsprechende Leistungen könnten aber auch andere Dienstleister erbringen.

Da diese ihre fachliche Eignung nicht nachweisen müssen, ist wohl absehbar, dass Preisdumping die Verhältnisse im deutschen Haus wie ein Kartenhaus aussehen lässt – kippen lässt.

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