1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Karl May

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Vor 180 Jahren zur Welt gekommen: Karl May.
Hatte wie so viele einen schlechten Start: Karl May. © Matthias Hiekel/dpa

Zum 180. Geburtstag: Ein kurzes Loblied auf die Hochstapelei, bei der niemand schlimm zu Schaden kommt.

Am heutigen 25. Februar, der seinerseits in die Geschichte eingehen wird als schlimmes Datum, denken wir wie immer am Geburtstag von Karl May sanft an jene, die mit ihrer Hochstapelei und ihren Träumen keinen Schaden angerichtet haben. Vielleicht haben sie sogar das Leben einiger Menschen schöner gemacht.

Karl May, vor 180 Jahren zur Welt gekommen, hatte wie so viele einen schlechten Start, aber für das Mickrige des Lebens war er ungeeignet. Es ist nicht edel zu lügen und zu klauen, man soll es nicht tun, das ist doch klar. Wenn es aber dennoch der Fall ist, so soll es bitte um falsche Angaben zur Person und 5 Billardkugeln sowie 1 Pferd gehen und nicht um mehr als das. Wobei die Angaben zur Person schon ziemlich falsch waren. Andererseits waren die Reiserouten zwar ebenfalls falsch, aber vor allem stimmte die zeitliche Reihenfolge nicht. Erst galt es mit falschen Reisen viel Geld zu verdienen, dann aber konnte er die Reisen endlich finanzieren und trat sie gerne an. Abgesehen davon galt für die Abenteuer von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi immer schon die Faustregel: Wer’s glaubt, wird selig.

Was den Diebstahl betrifft, ist es etwas übler, als wir es in Erinnerung hatten. Dafür aber auch etwas mehr wie in einem Roman von Karl May. Im Steckbrief vom 13. April 1869 (abgedruckt in Helmut Schmiedts immer noch sehr empfehlenswerter Biografie „Karl May oder Die Macht der Phantasie“ von 2011) ist unter anderem zu lesen: Der Unbekannte („brauner dünner Schnurrbart, breitkrämpiger hellbrauner Filzhut ...“) habe sich „als Mitglied der geheimen Polizei ausgegeben, welches Recherchen nach falschem Papiergeld anzustellen habe, sich unter diesem Vorwand in Besitz von circa 30 Thlr Geld gesetzt hat u. mit diesem geflohen ist. Auf der Flucht hat er die Nacheilenden durch Vorhalten eines Pistols an seiner Arretur verhindert.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine „Dr. Heilig“-Phase (Dr. Heilig, ein im sächsischen Penig sehr seriös auftretender Augenarzt) und erste Verurteilungen inklusive Haft schon hinter sich.

Karl May ist nicht Goethe oder die Bibel, aber es gibt das Buch „365 Tage Karl May“, um mit ihm durchs Jahr zu spazieren. Was trieb er am 25. Februar? Zum 50. Geburtstag 1892 notiert der Autor Hans-Dieter Steinmetz: „Um ein Doktordiplom zu erwerben, hat May sich an ein obskures ,Informations-Institut für wissenschaftliche Zwecke. Specialität: Promotionswesen‘ in Berlin gewandt. Von Direktor Dr. Herrmann Grünfeld erhält er die Konditionen mitgeteilt.“ Lassen wir das, wenn er es schon selbst nicht lassen kann. Wie viel würdiger wäre es gewesen, den Tag mit Seneca-Lektüre zu verbringen. Immerhin allerdings: „Das Geschäft kam nicht zustande.“

Auch interessant

Kommentare