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"Im Reich des Silbernen Löwen": Old Schättahand rettet Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah.
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"Im Reich des Silbernen Löwen": Old Schättahand rettet Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah.

Times mager

Karl May

Zum Geburtstag des Teufelskerls unter deutschen Autoren präsentiert ein Taxifahrer den vollständigen Namen von Hadschi Halef Omar und beweist, dass er sein Wissen aus den Büchern hat.

Der Taxifahrer hat seinen Karl May gelesen. Dass es das Wochenende des 175. Geburtstages ist, wusste er nicht, nimmt er aber mit so viel Wohlwollen zur Kenntnis, als wäre dies eine weitere Leistung seines Jugendhelden. 175 Jahre, sagt der Taxifahrer, das ist ja wirklich nicht schlecht.

Dass die Frau im Taxi versucht, in Helmut Schmiedts starker Karl-May-Biografie ein bestimmtes Detail wiederzufinden, hindert ihn natürlich nicht am Weitersprechen. Er lässt wesentliche Protagonisten Revue passieren, Winnetou, Old Shatterhand, Nscho-tschi, Intschu tschuna, Iltschi, Silberbüchse. Old Surehand spricht er mit derselben Silbenzahl und Silbenbetonung wie Old Shatterhand (Schua-, Schätta-). Obwohl es also im Westen anfängt, läuft es wie immer darauf hinaus, dass der Taxifahrer den Namen von Hadschi Halef Omar präsentiert: Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Es ist zu vermuten, dass das Lernen dieses Namens die größte kollektive Auswendiglernleistung der Jungengeneration zwischen den Jahrgängen 1960 und 1975 ist. Grund hierfür dürfte die flotte Art sein, mit der Ralf Wolter, als Sam Hawkens so erfolgreich wie als Hadschi Halef Omar, das einst herunterratterte.

Dass der Taxifahrer sein Karl-May-Wissen aber aus erster Hand, dem Romanwerk, hat, beweist er mit den unerwartet in den Sonntagmorgen gedonnerten letzten Worten: „Ich glaube an den Heiland. Winnetou ist Christ.“ Im Fernsehen erklingen zwar bekanntlich Glocken, aber Pierre Brice schweigt sich in der Frage aus.

Eigentlich will sich die Frau im Taxi für Karl Mays alternative Fakten zu seinem Lebenslauf interessieren. Der lesende Taxifahrer lenkt den Blick hingegen unversehens auf Axel Imholz. Axel Imholz ist Wiesbadener Kämmerer und wird vom 1. April an auch die Dezernate Schule und Kultur übernehmen. Die Landeshauptstadt hat also kein eigenständiges Kulturdezernat mehr. Im „Wiesbadener Kurier“ vom Samstag wird Imholz gefragt, was er liest. „,Comics‘, sagt Imholz, ,ich bekenne: Hier bin ich verrückt.‘ (...) Und Belletristik? ,Bei einer Lesung im Literaturhaus war ich noch nie.‘ Etwas vorgelesen zu bekommen – das ist nicht so seins. ,Außer, es käme Stephen King.‘“ Man scheint in Wiesbaden ganz zufrieden damit zu sein. Der Taxifahrer war mir ja auch sympathisch.

Helmut Schmiedts Biografie „Karl May oder Die Macht der Phantasie“ erschien bei Beck, Anlass war der 100. Todestag 2012. Überhaupt ist es so, dass Karl May viel mehr Jahrestage feiert als andere deutsche Künstler. Ein Teufelskerl in allen Belangen.

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