Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Kapitalstrafe

  • VonHans-Jürgen Linke
    schließen

Wie weit kann man ohne Kopf kommen? Diese alte Frage wird vielleicht neu beantwortet werden müssen: Dem Hamburgmuseum kam das Haupt von Klaus Störtebeker abhanden. Von Hans-Jürgen Linke

Dass aus dem Museum für Hamburgische Geschichte, heute kurz und bündig Hamburgmuseum geheißen, der so genannte Störtebeker-Schädel entwendet wurde, hat an zwei fast vergessene, aber subkutan immer gewusste Topoi erinnert.

Erstens: Dass man recht weit kommen kann, ohne den Kopf zu benutzen - einem großzügig vermessenden Filmtitel nach zwölf Meter weit. Die im norddeutschen Raum weithin bekannte Legende weiß allerdings nur von der Zahl der Mitpiraten, an denen Klaus Störtebeker nach seiner Enthauptung durch Meister Rosenfeld vorbei schreiten konnte, bevor ihn etwas zu Fall brachte; die Legende weiß auch, dass das niemandem genützt hat, am Ende waren alle tot, sogar Meister Rosenfeld.

Zweitens: Auch, wer sich kopflos bewegt hat, kann später zentraler Held von umraunten und über Jahrhunderte überlieferten Legenden sein. Und der Kopf, den er zumindest auf den letzten Metern nicht mehr dabei hatte, kann überwältigenden symbolischen und auratischen Wert bekommen, den die Direktorin des Hamburgmuseums so beschreibt: "Der legendäre und geheimnisvolle Schädel aus dem 15. Jahrhundert ist eine Reliquie der Hamburger Geschichte, eine der Hauptattraktionen unseres Hauses."

Wobei der Nachweis, dass es sich tatsächlich um den Rest des im Oktober 1401 vom Rumpfe getrennten Kopfes des Klaus Störtebeker handelte, bisher nicht geführt werden konnte. Genau genommen konnte nicht einmal nachgewiesen werden, dass es Klaus Störtebeker wirklich gab; möglicherweise handelt es sich um ein im Laufe der Überlieferung synthetisiertes Mythen-Gefäß, das diesen Namen bekam.

Was man im Hamburgmuseum weiß, ist etwa so viel: Der Schädel wurde während der Bauarbeiten an der Speicherstadt im vorvorigen Jahrhundert gefunden, an einer Stelle, an der im Mittelalter die Kapitalstrafe ausgeführt wurde, und er hat ein Loch, das darauf hinweist, dass der Kopf auf einen Pfahl gespießt worden war, was Pfeffersäcke damals mit Piratenköpfen zu tun pflegten, und das Alter passt. Das muss genügen.

Der Rest ist Spekulation. Nur der Dieb scheint echt gewesen zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare