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Die Textilsammelcontainer sind bereits rappelvoll.

Times mager

Kaffeepause

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Pandemische Entschlusslosigkeit greift dieser Tage um sich. Jedenfalls hier.

Was man in den vergangenen Wochen alles hätte tun können – beziehungsweise, für welche sinnvollen Dinge man Zeit gehabt hätte, hätte man nicht a) lange geschlafen, b) noch länger geschlafen, c) auch die Bettwäsche gebügelt, als könnte man ausgerechnet jetzt jemanden mit gebügelter Bettwäsche beeindrucken.

Man hätte den Kleiderschrank ausmisten können. Dummerweise hatten dann so ungefähr alle anderen ihren Kleiderschrank schon am Tag eins der Corona-Beschränkungen ausgemistet, so dass am Tag drei der Corona-Beschränkungen in der Zeitung zu lesen war, die Textilsammelcontainer seien bereits rappelvoll. Also kam es zu der Entscheidung, die durchaus vernünftig schien, vorerst auf der Couch bei einem Kaffee darüber nachzudenken, was man, außer den Kleiderschrank auszumisten, immer mal machen wollte und nun machen könnte. Und dieses Nachdenken am folgenden Tag fortzusetzen, der wegen b) allerdings relativ spät begann.

Dann trotzdem die Idee: die Bücher auszusortieren, die beim letzten Umzug vor 27 Jahren noch mitgenommen wurden, weil man überzeugt war, sie bald wieder einmal brauchen zu können/lesen zu wollen. „Windows für Dummies“ zum Beispiel, Erstausgabe!, „Topaktuelle Steuertipps“ (von 1994) oder „Predigtmärlein im oberdeutschen Raum“ (was hatte man da bloß für ein Seminar belegt?).

Inzwischen hatten aber a) die Wertstoffhöfe wegen Corona und Überlastung geschlossen. Waren b) alle drei zum Haus gehörenden Papiertonnen voll; auch da waren die Nachbarn, selbst die, die man normalerweise nicht als „schnell“ bezeichnen würde, schneller gewesen. Zudem stand c) das eigene Kellerabteil eh schon bis zur Decke voll Krimskrams, und war wegen a) logischerweise keine Abhilfe zu schaffen. Dafür ein Kaffee.

Allemal sollte man sich keinen Stress – gerade in diesen Zeiten keinen Stress – und lieber erst mal einen Kaffee machen. So, hoppla, man noch einen zu Hause hat. Falls man keinen mehr zu Hause hat, bietet sich an darüber nachzudenken, ob man a) wegen einer Packung Kaffee eine frisch bei 60 Grad gewaschene Maske anlegen und in den Supermarkt gehen möchte, b) wegen einer läppischen Packung Kaffee keine topsaubere Maske verschwendet und folglich auch nicht in den Supermarkt geht, c) eine kleine Einkaufsliste macht, auch wenn man eigentlich außer Kaffee nichts braucht, damit es sich lohnt, die bei 60 Grad frisch gewaschene/zehn Minuten ausgekochte Maske anzulegen und in den Supermarkt zu gehen.

Auch die Entschlusslosigkeit scheint in diesen Tagen pandemisch geworden zu sein.

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